11/09/2026
Beim Thema Nervensystem entsteht schnell der Eindruck:
Wenn ich gut reguliert bin, müsste ich doch ruhig, entspannt und gelassen sein.
Aber so funktioniert unser Nervensystem nicht.
Wir brauchen Aktivierung genauso wie Entspannung. Wut kann uns helfen, Grenzen wahrzunehmen. Angst mobilisiert uns. Aufregung, Freude und Begeisterung sind ebenfalls Aktivierung.
Entscheidend ist deshalb nicht, ob unser Nervensystem reagiert.
Sondern wie flexibel es zwischen unterschiedlichen Zuständen wechseln kann – und ob wir nach Belastung wieder zurückfinden.
Regulation kann also bedeuten, dass ich mitten in einer starken Emotion noch ein kleines bisschen wahrnehmen kann:
Was passiert gerade in mir?
Was brauche ich?
Welche Handlungsmöglichkeiten habe ich?
Und manchmal schaffen wir das alleine. Manchmal brauchen wir einen Menschen, der bei uns bleibt und uns Co-Regulation anbietet.
Für mich ist genau das ein wichtiger Teil traumasensibler Arbeit:
Nicht Reaktionen wegzumachen oder Menschen möglichst ruhig zu bekommen.
Sondern mehr Sicherheit und Kapazität zu entwickeln, damit auch Aktivierung da sein darf.
Regulation bedeutet nicht weniger fühlen.
Sondern mehr Raum für das, was wir fühlen.
Welche Emotion fällt dir am schwersten einfach da sein zu lassen?