26/10/2020
Bodo unvergesslich !
„Er ist an Einsamkeit verstorben“**
Bodo Vieth durfte das Altersheim, in dem er lebte, ab dem 13. März 2020 nicht mehr verlassen. Seine Frau Sabine, die ihn jeden Tag besuchte, kam nicht mehr. Der Antiquitätenhändler, 77 Jahre alt, verstand nicht warum. Covid 19 war ihm kein Begriff, und jede Erklärung vergaß er wieder. Ohne seine Frau noch einmal zu sehen, starb er am 30. April um 23 Uhr. Eine Stunde später setzte eine neue Verordnung die Ausgangsbeschränkungen in Österreich außer Kraft.
Die Ausgangsbeschränkungen dienten den Leitungen den Alters- und Pflegeeinrichtungen zwei Monate lang als Begründung, Bewohnern und Bewohnerinnen das Verlassen der Häuser zu verbieten. Besuche untersagten sie mit Hinweis auf das Hausrecht. Sabine Vieth alias Baron versuchte alles, um eine Ausnahme zu erwirken." Ich habe alle Sicherheitsvorschriften stets eingehalten", sagt sie. "Aber egal welchen Vorschlag ich gemacht habe, es wurde vom Heim abgelehnt!"
Von der Nachricht des plötzlichen Todes ihres Ehemannes hat sich die Wienerin bis heute nicht erholt. „Ich habe ihm versprochen, jeden Tag zu besuchen", erzählt sie, "Er hat mir vertraut und geglaubt! Ich könnte mein Versprechen aber nicht einlösen." Das habe sie in eine tiefe Verzweiflung gestürzt. Ihre Gefühlen drückt sie seit dem in Postings auf sozialen Netzwerken aus. „Mein Mann ist an Einsamkeit gestorben“, schreibt sie dort. „Er hat einfach aufgegeben.“
Von Politikern heißt es bis heute: Bewohner und Bewohnerinnen hätten jederzeit das Recht gehabt, die Häuser zu verlassen. Ausgesprochen haben sie diese Möglichkeit in den vielen Pressekonferenzen nie, schon gar nicht geregelt. Für Sabine Vieth bedeutet dies, dass das Unrecht, das sie an sich und ihrem Ehemann begangen fühlt, nicht als solches anerkannt wird.
Auch vom Caritas Pflegewohnhaus Schönbrunn, in dem ihr Mann lebte, "kam kein Mail, kein Anruf, keine Kondolenzkarte, nichts", wie sie sagt. Bis jetzt.
4 Monate nach dem Tod ihres Mannes, erreichte sie ein Mail von einem Mitarbeiter der Caritas: Wir helfen., indem sie zu einem Gespräch eingeladen wird. Auch eine Verbindung zu einer Trauergruppe könne man herstellen, heißt es darin. Am Ende des Schreibens wird sie gebeten, "von Vorwürfen in sozialen Medien abzusehen".
Sabine Vieth will das, was ihr widerfahren ist, öffentlich machen. Aktion statt Isolation entspricht mit diesem Posting ihrem Wunsch.
**Ähnliche Fälle gibt es in allen Alten- und Pflegeeinrichtungen