21/05/2022
„Es ist eine gute Zeit für den Feminismus. Es ist auch eine gute Zeit fürs Nüchternsein“ schreibt die Journalistin und Autorin Eva Biringer in unserer aktuellen Empfehlung „Unabhängig. Vom Trinken und Loslassen“ (HarperCollins)
Erst mal zum Cover: Das großartige Foto stammt von der Fotografin Nora Blum und zeigt eine Frau mit einem riesigen Blumenstrauß in den Armen (Fun Fact: es ist nicht die Autorin selbst). Die Frau scheint sich zu verstecken, sich festzuhalten, hinter all den knalligen Farben kann sie nur untergehen – und auffallen zugleich. Obwohl wir also ohnehin schon neugierig auf dieses Buch waren, konnten wir uns am Cover gar nicht mehr sattsehen.
Eva Biringer ist mit „Unabhängig“ etwas Fantastisches gelungen: Ihre persönliche Geschichte zu erzählen und ganz sachlich über Alkohol zu schreiben. Dabei hat sie eine wichtige Verbindung aufgezeigt, nämlich was Alkoholkonsum mit Feminismus zu tun hat. Warum gerade jüngere Frauen mittlerweile so viel trinken (während sie in allen Bereichen funktionieren und alles erreichen können/müssen), was Alkohol mit uns macht und warum es eigentlich verrückt ist, welchen Stellenwert er in unserer Gesellschaft hat. Dabei geht es ihr überhaupt nicht darum, Alkohol zu verteufeln.
Dazwischen gepickt sind die autobiografischen Teile, in denen die Autorin von ihrem Aufwachsen auf dem schwäbischen Land erzählt, dem ersten Rausch mit elf, der Anziehung der Großstadt (Berlin), der zweiten Stadt-Liebe (Wien), dem Erwachsenwerden, dem Kunstgeschichte-Studium, der Liebe und wo man überall glaubt, sie gefunden zu haben, dem Selbstwert, den Wein-Reisen für den Job und von der Flasche Wein alleine im Bett liegend geleert (und was das mit Edvard Munch zu tun hat). Aber eben auch davon, wie sie erkannt hat, ein Problem zu haben und wie sie vor sich selbst und für sich selbst aufgestanden ist.
Aufwühlend, kritisch, cool, spannend, unterhaltsam, auch lustig und auf jeden Fall lehrreich.
(Eine von uns hat zur anderen kürzlich über dieses Buch gesagt: „Das liest sich spannend wie ein Krimi.“ Und wenn das Buchhändlerinnen zueinander sagen, kann man sich darauf verlassen.)