02/06/2026
Ein Dorf ringt um Erlösung
1633: Mitten im Dreissigjährigen Krieg wütet die Pest durch Oberammergau und droht das ganze Dorf auszulöschen. Die Einwohner geloben, wenn der Herrgott sie ab sofort verschont, werden sie bis in alle Ewigkeit die Passion Christi aufführen. Und tatsächlich, es scheint zu funktionieren. Der neue und unerfahrene Pfarrer Johannes Gabler wird beauftragt, das Schauspiel auf die Beine zu stellen. Doch nicht mehr alle Dorfbewohner können sich an den Schwur erinnern, längst ist man wieder zum Alltag übergegangen und froh, dass die Pest Oberammergau verlassen hat.
Johannes fällt es nun zu die Bauern und Hirten in Apostel und Römer zu verwandeln, zudem braucht er eine Maria und einen Jesus. Allerdings gibt es auch Gegner dieser Passionsspiele: Die Ortsvorsteherin Agnes, die ihre Kinder an die Seuche verloren hat, hasst Gott und will unter keinen Umständen, dass das Spiel auf die Bühne kommt. Hinter sich schart sie einige Gegner - das Dorf spaltet sich in Anhänger und Feinde der Passion, es entbrennt eine bittere Feindschaft.
Agnes ist jedes Mittel recht, ob Giftmischerei oder Gewaltanwendung, aber auch Johannes kämpft mit bösen Mitteln für die gute Sache. Er lügt und wird unfreiwillig zum Mörder.
Autor Robert Löhr führt uns zum Ursprung der Passionsspiele, die mittlerweile ein theatrales Weltwunder sind. Es ist das am längsten laufende Theaterstück der Geschichte im berühmtesten Dorf der Welt, wo jeweils über 2'000 Oberammergauer mitwirken. Die Ursprungsgeschichte ist nicht wirklich bekannt und das eröffnet dem fabulierfreudigen Löhr alle Türen. Es wird gestritten und gerungen um das fromme Spiel, Menschen werden gemeuchelt, Tote ausgegraben, Männer entmannt... Das Buch ist ein Historienepos mit grosser Sogwirkung, starken Charakteren und trotz viel Tragik auch mit ganz viel Ironie durchsetzt - ein riesengrosses Lesevergnügen!
Robert Löhr: Oberammergau Piper Verlag