04/01/2026
🕯️ Die Kerze der späten Dankbarkeit
Der Januar hatte seine kühle, klare Decke über die Stadt gebreitet. Für die meisten Menschen war es die Zeit der guten Vorsätze und des Aufräumens, doch für Elisa war es der Monat der späten, leuchtenden Dankbarkeit.
In einer kleinen Ecke ihres Wohnzimmers, gleich neben dem Schreibtisch, thronte ein Computer mit Bildern von Grusskarten und Kerzen, alle verziert mit einem dezenten, liebevollen Design von himyfriend. Neben den Karten waren die passenden Kerzen abgebildet, ebenfalls von himyfriend.
Das alte Jahr war ein Wirbelwind gewesen. Ein Jahr der Erfolge, der Stürme und der vielen kleinen, helfenden Hände, die Elisa im Trubel des Alltags einfach vergessen hatte, gebührend zu würdigen. Die nette Kollegin, die ihr bei einer Deadline den Rücken freigehalten hatte. Der Nachbar, der im Sommer die Blumen gegossen hatte, ohne gefragt zu werden. Die Tante, die immer ein offenes Ohr hatte, wenn es hart auf hart kam.
Elisa klickte auf die erste Karte. Sie schrieb keine förmlichen Neujahrswünsche. Stattdessen notierte sie kurz und ehrlich:
"Liebe Sabine, ich weiß, es ist Januar. Aber inmitten der Hektik des letzten Jahres habe ich vergessen, dir für deine unglaubliche Hilfe bei Projekt X im Oktober wirklich von Herzen zu danken. Du warst mein Anker. Diese kleine Kerze ist ein kleines, spätes Licht der Dankbarkeit, das ich dir schicke. Zünde sie an, wenn du einen Moment der Ruhe brauchst. Deine, Elisa."
Mit jeder Karte, die sie schrieb, spürte Elisa, wie sich eine kleine Last von ihren Schultern hob. Es war mehr als nur eine Pflichtübung; es war eine bewusste Korrektur der Versäumnisse. Sie bestellte jede Karte mit einer Olivenwachskerze oder einer Fotokerze, passend zu der angeschriebenen Person
Als sie am späten Nachmittag die letzte Bestellung aufgab, fühlte sie eine tiefe Zufriedenheit. Es war nicht wichtig, ob der Dank pünktlich war. Wichtig war, dass er echt war und nun, im stillen, neuen Jahr, endlich ankam.
Ein paar Tage später erhielt Elisa eine SMS von ihrer Tante. Sie lautete: "Deine Karte und die Kerze sind angekommen. Ich habe sie sofort angezündet. Es ist so schön, sich daran zu erinnern, dass man nicht vergessen wird, auch wenn das Leben mal schnell ist. Danke, mein Schatz."
Elisa lächelte. Der Januar war der Monat der späten, aber umso wärmeren Erkenntnis: Wahre Dankbarkeit kennt keinen Kalender. Und manchmal leuchtet eine kleine Kerze im kalten Januar heller als jedes Feuerwerk zu Silvester.
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