Editionsmueller von Marlise Mueller

Editionsmueller von Marlise Mueller editionsmueller ist der Verlag von Marlise Mueller, Muenchenstein

Mrs Miller hat diesmal am Schreibwettbewerb LANDLESEN teilgenommen. Ob ihr Text (welcher wird noch nicht verraten!!) zu ...
22/08/2023

Mrs Miller hat diesmal am Schreibwettbewerb LANDLESEN teilgenommen. Ob ihr Text (welcher wird noch nicht verraten!!) zu den ausgewählten gehört, wird sich am Sonntag weisen:

mit: Alain Claude Sulzer, Autor und Jurypräsident Barbara Horvath, Schauspielerin am Residenztheater München, Jury Urs Berger, Redaktion Biel-Benkemer Dorf-Zytig, Jury Beat Schönegg, Komponist, Pianist und Autor Barbara Colceriu, Schauspielerin am Theater Basel Max Häne, Birsig-Buchhandlung, Jur...

"Es war bereits morgens um 10 Uhr 30 Grad heiss, was ausserordentlich war für diese Vormittagszeit, aber nichts Ausserge...
22/08/2023

"Es war bereits morgens um 10 Uhr 30 Grad heiss, was ausserordentlich war für diese Vormittagszeit, aber nichts Aussergewöhnliches für diesen Sommer, der sich seit Tagen mächtig anfühlte. Mrs Miller streifte sich den strahlend blauen Morgen wie ein Sommerkleid über und..."
Mrs Millers neue Sommergeschichte, inspiriert von Bob Dylans Song 'Jokerman' hier lesen:

editionsmueller ist der Verlag von Marlise Mueller. Er publiziert ihre literarischen Erzählungen: Mrs Miller, Brunnentanz, Muntaluna. Die Autorin wohnt in Münchenstein (BL).

Das Hütchen meiner MutterEs ist halt der Ansatz, sagte meine Mutter am Telefon. Jetzt sei er deutlich zu sehen. Sie müss...
26/11/2020

Das Hütchen meiner Mutter

Es ist halt der Ansatz, sagte meine Mutter am Telefon. Jetzt sei er deutlich zu sehen. Sie müsse ihn alle fünf bis sechs Wochen färben, bei dunklem Haar sei das zwingend notwendig.

Sie hat natürlich kein dunkles Haar mehr. Doch es gehört zu ihr. Niemand weiss, wie sie mit ihrem natürlichen Haar aussehen würde. Es macht mich zehn Jahre älter, sagt sie.

Sie trage jetzt beim Spazieren ein Hütchen. Ein trauriger Anblick, die geschlossene Pizzeria am See, die leeren Strassen. Alle Coiffeur-Geschäfte seien geschlossen. Wann kommst du wieder einmal zu mir?

Vor Reisen ins Tessin wurde wiederholt gewarnt, weil die Lage dort besonders schlimm war und man eine Überlastung des Gesundheitssystems befürchtete. Den Menschen über 65 wurde dringend empfohlen, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Das galt auch für mich in der Deutschschweiz, die jetzt altersmässig zur gleichen Risikogruppe zählte wie die Mutter im Tessin.

Anfangs Mai, an einem Samstag Abend gegen 21 Uhr, bekam ich einen Anruf mit Tessiner Vorwahl. Eine Frau, die zur örtlichen Spitex gehörte, informierte mich: Wir finden Ihre Mutter nicht, nicht zu Hause und auch nirgends im Quartier.

Eine halbe Stunde später meldete sie sich erneut. Die Mutter sei in die Notfallstation eingeliefert worden, mit einer Kopfwunde. Sie sei wohl beim Spazieren gestürzt. Zum Glück nicht schlimm, keine Gehirnerschütterung.

Sie habe die Berge angeschaut und da habe sie das Gleichgewicht verloren, erklärte sie. Warum kommst du mich nicht besuchen?

Die Coiffeur-Geschäfte öffneten wieder. Für meine Mutter änderte dies nichts. Ihre Haare könne sie immer noch nicht färben. Wegen der Chemikalien. Und wegen der Narbe, die noch nicht verheilt sei. Sie würde, wenn sie hinausgehe, jetzt immer ihr Hütchen aufsetzen, aber drinnen könne sie es ja nicht tragen. Doch sei sie ja meist allein.

Sie habe Glück im Unglück gehabt, sagte ich, dass sie sich bei ihrem Sturz nicht eine Gehirnerschütterung zugezogen habe. Und dass sie nur gestürzt war und sich nicht angesteckt hatte, doch das behielt ich bei mir.

Ja, der Kopf, sagte sie. Seither vergesse sie mehr Dinge. Alles zu begreifen falle ihr jetzt schwerer, und sie brauche mehr Zeit dafür.

Du brauchst Zeit für die Erholung, beruhigte ich sie am Telefon, das ist normal. Was aussergewöhnlich ist, ist diese momentane Lage im Tessin, in der Schweiz, auf der ganzen Welt.

Warum willst du nicht mehr zu mir kommen?

Ich kann nicht, niemand soll reisen. Alle müssen Abstand halten.

Das ist traurig, sagte meine Mutter. Ich würde dir gerne wieder in die Augen blicken.

Im Juni erzählte sie, dass sie jetzt wieder spazieren gehe, aber nur noch mit dem Rollator. Ein Coiffeur-Besuch sei immer noch nicht möglich, noch habe sie zwei Fäden drin. Bei der Wunde sei eine kahle Stelle und eine breite weisse Strähne. Furchtbar sieht das aus, sagte sie, auf einen Schlag älter geworden. Über den Rollator beklagte sie sich erstaunlicherweise nie, obwohl sie damit bestimmt auch älter aussah.

Am See sei die Osteria mit den Tischen unter den grossen Bäumen jetzt wieder offen.

Bald werde ich mit dir dort unter den Platanen und Kastanienbäumen sitzen, versprach ich. Ich habe jetzt auch ein Hütchen. Unsere grauen Haare werden nicht zu sehen sein, genauso wenig wie Wunden und Narben und kahle Stellen.

Zwei Wochen später, Mitte Juni, kam ihr Coiffeur-Termin zustande. Die verletzliche Stelle wurde abgedeckt, als die Farbe aufgetragen wurde.

Kastanienbraun, meinte sie am Telefon, ich bin zufrieden. Jetzt bin ich wieder ich.

Ein gutes Omen: Wenn es mit der Haarfarbe klappte, dann bestimmt auch mit meinem Besuch.

25. Nov. 2020, Marlise Mueller. Mehr auf:

In dieser vom Corona-Virus geplagten Zeit seit dem Lockdown Mitte März 2020 prägt die Ausnahmesituation den Alltag. Erlebnisse und Gedanken aus dem Frühling und Sommer habe ich hier sprachlich umgesetzt.

Meine Lockdown-GeranieRote Geranien mit grünen Blättern, die im Sommer bei uns überall in Kistchen auf Fenstersimsen ste...
31/10/2020

Meine Lockdown-Geranie
Rote Geranien mit grünen Blättern, die im Sommer bei uns überall in Kistchen auf Fenstersimsen stehen, sind nichts Aussergewöhnliches.

Aber nicht diesmal. Es gab keine Geranien zu kaufen, weder im März noch im April. Sämtliche Gartencenter waren wegen des Virus geschlossen. Niemand wusste, ob es in der Pflanzsaison noch möglich würde, an Pflanzen heranzukommen. Nicht nur Geranien, auch Setzlinge von Tomaten, Gurken, Zucchettis und dergleichen gab es keine in den Läden. Das war natürlich schlimmer.

Ich war in einer glücklichen Lage. Vor dem Winter hatte ich eine Geranie an einen geschützten Ort gestellt, dann aber vergessen. Wie war ich überrascht, als ich im Topf, der von der Frühlingssonne beschienen wurde, hellgrüne Blätter mit zarten Stielen entdeckte. Das war Mitte März, am Tag, als der Lockdown begann.

Es kamen sehr warme Tage, die Natur stand in dieser Frühlingszeit, wo alles geschlossen, abgesagt, verschoben werden musste und alle zu Hause bleiben und Kontakte meiden mussten, in voller Blüte und in dichtem Duft. Bei meiner Lockdown-Geranie, wie ich sie von da an nannte, trieb schon bald eine Knospe hervor, die im Mai aufs Schönste blühte, im Innern in sattem Rot, zu den Blütenrändern hin in leuchtendem Pink, was mit den grünen satten Blättern aufs Beste kontrastierte.

Dort, wo ich im Herbst dürre Ranken deponiert hatte, wuchsen wilde Tomaten, mehrjährig Gewürze trieben aus. Je weniger draussen noch möglich und erhältlich war, desto mehr stieg die Bedeutung dessen, was mir zur Verfügung stand, eine einzigartige Fülle. Mir ging es so viel besser als den andern, die in diesem Jahr zu keinen Pflanzensetzlingen gekommen waren. Die Beschränkungen des Lockdowns machten meinen Reichtum umso deutlicher.

Gemüse und Früchte gab es wie immer im Supermarkt zu kaufen, niemand musste Salat, Karotten oder Kartoffeln anpflanzen. Für diejenigen, die es trotzdem tun wollten und sich dazu auch blühende Blumenkistchen wünschten, war es Hobby. Sie machten es nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Freude.

Im allerletzten Moment wurden die Vorschriften gelockert. Mit grossen Sicherheitsvorkehrungen wurden im Mai auch wieder nicht lebensnotwendige Dinge verkauft. Vor dem Eingang des Supermarkts standen Kistchen an Kistchen mit Geranien. Alle sahen sie gleich aus mit identisch roten Blüten und grün leuchtenden Blättern, alle gleich hoch mit gleich vielen Blüten.

Es war das erste Mal seit zwei Monaten, dass ich selbst wieder einkaufen konnte, aber ich traute mich noch nicht in den Laden, blieb davor stehen um zu beobachten, wie ich mich zu verhalten hatte. Die Frau, die wie ich wartete, war mir viel zu nahe, kam es mir vor, warum konnte sie sich nicht ein bisschen weiter entfernt hinstellen.

Mein Ärger flutete über die Geranien hinweg. Mit Geringschätzung versprühte ich mein Gift über ihre roten Köpfe. Wahrlich keine Kunst, so wie ihr zu werden, schimpfte ich im Stillen, mit all dem Dünger und der Energieverschwendung fürs Heizen und Transportieren. Ihr seid in Gewächshäusern aufgepuscht worden. Die Maske, die ich zum ersten Mal trug, rutschte mir über beinahe in die Augen, ich war sehr ärgerlich und verängstigt und verunsichert, gab zwar diesen armen Geranien keine direkte Schuld daran, aber sie störten mich ungemein.

Aber sie wurden in kurzer Zeit alle verkauft. Überall waren sie von da an zu sehen. Meine wurde eine von vielen. Sie verlor für mich an Wert. Ich beachtete sie kaum mehr.

Es ging schnell, dass mir vieles wieder normal vorkam. Dass ich mir eine Maske umband, die nicht mehr so leicht verrutschte. Dass ich vor dem Betreten eines Ladengeschäfts die Hände desinfizierte. Dass ich den Liftknopf mit dem Ärmel über dem Daumen drückte.

Meine Geranie hatte noch im Oktober drei Blüten, die genauso leuchteten wie die erste. Ich schämte mich ein wenig, wenn ich an meine Reaktion vor dem Gartencenter dachte. Wie hatte ich mich nicht dort schon für andere freuen können, die jetzt so wie ich eine Geranie zu Hause haben konnten? Es stand der erste Winter bevor mit den all den neuen Gefahren und vielleicht war er eisiger als der letzte, einsamer, angstvoller. Nie hätte ich gedacht, dass es für mich eines Tages wichtig sein könnte dafür zu sorgen, dass eine Geranie überwintert.

Doch im Frühling würde ich mir, sobald in Gärtnereien Geranien angeboten wurden, trotzdem eine dazukaufen. Da war ich mir inzwischen sicher, ja ich hoffte es geradezu.

Das hatte nichts mit meiner Geranie zu tun. Sondern mit dem Namen, den ich ihr gegeben hatte. Ich hoffte, dass sie dann ohne Lockdown-Zusatz auskommen konnte und Geranien nichts Aussergewöhnliches mehr bedeuteten.

(31. Okt 2020, Marlise Mueller)
Mehr lesen auf: https://www.editionsmueller.ch/aktuelle-texte-corona-geschichten/

Noch bis Samstag, 26.9. am Münsterberg 13, Basel. So lange sind auch meine Bücher hier. Danke, Brigitta Leupin.
21/09/2020

Noch bis Samstag, 26.9. am Münsterberg 13, Basel. So lange sind auch meine Bücher hier. Danke, Brigitta Leupin.

Kein Live-Auftritt, doch trotzdem vor Ort präsent! Seither hat sich mein Publikum vergrössert (und verändert)😀 (Bildauss...
20/09/2020

Kein Live-Auftritt, doch trotzdem vor Ort präsent! Seither hat sich mein Publikum vergrössert (und verändert)😀 (Bildausschnitt: ‚Teppichetage‘ von Roman Peter)

Heute Nachmittag hätte ich in dieser schönen Galerie eine Lesung zu Bildern von Roman Peter gemacht. Leider coronabeding...
19/09/2020

Heute Nachmittag hätte ich in dieser schönen Galerie eine Lesung zu Bildern von Roman Peter gemacht. Leider coronabedingt nicht möglich. Dafür könnt ihr meinen Text nun selber lesen auf https://www.editionsmueller.ch

Meine Coronastory 'Wartezone' auf https://www.editionsmueller.ch/aktuell/Wartezonen gab es schon vorher. Zum Beispiel in...
03/07/2020

Meine Coronastory 'Wartezone' auf https://www.editionsmueller.ch/aktuell/
Wartezonen gab es schon vorher. Zum Beispiel in der Augenklinik. Seither gibt es neue Abstandsregeln und neue Zugehörigkeiten. Zum Beispiel zur Risikogruppe der Alten. Plötzlich bin eine von ihnen.
Immerhin: eine junge Alte.

09/05/2020

Lesung Mrs Miller im Konzert BeaudeBâle:
„ – Bonjour! rufe ich zum Ritter hinauf und winke.
Keine Reaktion. Keine Antwort.
Endlich räuspert er sich. Seine Stimme klingt etwas rau und rostig.
– Ah, Marie-Ange! Welch schöne Überraschung! Wo hast du die ganze Zeit über gesteckt? Dass du da vor dem Brunnen und nicht auf ihm stehst, ist etwas ganz Neues: So habe ich dich noch nie gesehen.
Der Ritter blitzt in der Sonne, aus Freude, scheint mir, doch dann wird er ernst und vorwurfsvoll:
– Hätte ich nur besser aufgepasst, hätte ich diesen Pierre Grise von Weitem erkannt und dich warnen können, dann wärest du wegen ihm nicht einen ganzen Winter lang fortgegangen.
– Das hätte dir auch nichts genützt!, sage ich lachend. Du hättest nichts dagegen machen können. Schon gar nicht deinen Platz auf dem Brunnen verlassen – so wie ich!
-Und jetzt bist du zurückgekommen, um mir deine Geschichte zu erzählen?
– Genau!

Weiterlesen und das Chanson ‚Ritter’ von BeaudeBâle dazu hören!: https://www.beaudebale.ch/at-home-again/

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