30/09/2016
Forschungsarbeit / Eingehende Baumuntersuchung
Diesen Frühling hatte ich das Vergnügen, eine ca. 250-jährige als schützenswert eingestufte Blutbuche von Dürrholz zu befreien.
Leider täuscht die doch recht gute Belaubung über die grösseren Probleme hinweg. Die Rinde ist auf 2/3 des Stammumfanges zerstört, die innere Baumkrone stirbt allmählich zurück.
Der Befall mit Brandkrustenpilz ist nicht zu übersehen. Ganz untypisch findet man ihn hier auch bis zu den Astgabelungen. Dafür ist am Stammfuss, wo er sich meist austobt, nur ein kleiner Fruchtkörper zu finden.
Allein dieser Pilz ist leider zu oft Grund genug so eine Buche zu fällen, zu Unrecht!
Eine Windlastanalyse ergab, dass der Baum bei einem Sturm bei voller Gesundheit noch 248% Grundsicherheit hätte. Klar ist diese durch den Rindenschaden und den Pilz etwas herunter gesetzt, dennoch dürfte sie bis mit einer Restwandstärke von nur 10,5cm stehen bleiben. Dies ist möglich, weil eine intakte Hohlröhre fast genauso stark ist wie ein völlig intakter Stamm.
Dennoch ist Vorsicht geboten. Die Bruchsicherheit des Stammes sagt nichts über die Wurzeln im Boden aus, so einige Male sind augenscheinlich intakte Bäume einfach umgekippt.
Die Untersuchung
Um genauer abschätzen zu können, wie sicher der Baum noch ist und wie es in Zukunft aussehen wird, ist es von grösster Wichtigkeit, den Zustand des Baumes, die jeweiligen Schadorganismen und deren Ausbreitung zu kennen. Der grossflächige Rindenschaden lässt zum Beispiel an Phytophthora denken.
Aus diesem Grund habe ich am Stamm insgesamt 7 Proben entnommen, die dann von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft kurz WSL untersucht wurde.
Zu meinem grossen Überraschen konnte kein weiterer Pilz als der von mir festgestellte Brandkrustenpilz gefunden werden.
Durch diese Gewissheit ist nun sicher, dass der Rindenschaden grösstenteils von Menschenhand verursacht worden ist. Schädigung des Brandkrustenpilzes ist vor allem oberflächlich, das Splint und Kernholz ist weitestgehend intakt. Der Stammfuss ist nur lokal in geringem Ausmass betroffen. Dennoch ist durch die schlechte Versorgung der Wurzeln mit einem absterben von Wurzelteilen und folgender Fäule zu rechnen.
Der Baum ist immer noch vital und hat sich schon viele Jahre gegen den Pilz behauptet. Mit etwas Dickenwachstum dürfte ihm das auch noch über viele weitere Jahre gelingen.
Mit einer jährlichen Baumkontrolle ist es besser möglich, die weitere Entwicklung abzuschätzen oder allfällige Veränderungen zu erkennen, so dass die Sicherheit weiterhin gewährleistet ist.