10/06/2026
Nanu, was ist denn das? Die erste Seite des Buches verlangt mir eine Zustimmung zu den AGB ab. Achso, und ein KI-Roman nennt es sich. Na toll, Werbung… Okay, jetzt gehts also los.
Der Roman, dieses Romans, ein Jedermann, Hashtag Not All Men But Alwas Menners, hat sich im Hotel Love eingefunden. Wir schreiben das Jahr 2031, der Klimawandel sorgt endlich für sommerliche Temperaturen und wir haben einen neuen Kanzler. Den Love-Kanzler. Der liebt vor allem die Männer, die ihn gewählt haben. Frauenrechte adé, Genderquatsch abgeschafft. Jene Frauen, die es vor der Grenzschließung nicht mehr aus dem Land geschafft haben, suchten sich schnell noch einen Vormund zum Heiraten. Wer sich nicht verstecken konnte, wurde eingefangen, um als Beute für Freizeitjäger an Fun-Parks verkauft zu werden.
Weil es aber für jeden Mann auch eine servile, brave Frau geben soll, wurden Fembots eingeführt. Und hier beginnt Romans Geschichte bzw. eigentlich geht sie weiter. Im Love-Hotel erhält er im Rahmen des 7-tägigen Programms „Wifey Material“ einen Android zur Seite gestellt. Wie sein Fembot aussehen soll, weiß Roman schon von vornherein. Wie Julia muss sie sein. Er hat sogar sein Lieblingskleid für Julia 2.0 mitgebracht. Wenn sie doch nur schon endlich fertiggestellt wäre!
Doch was ist eigentlich mit der ursprünglichen Julia passiert? - Ein Fehler im KI-Roman gibt Einblicke.
Mein Lesehighlight des letzten Jahres hab ich spät entdeckt. Im November gelesen und ein bisschen bereut, dass ich nicht beim Erscheinen schon die Nase reingesteckt hab. Petra Piuk entwirft einen maskulinistischen Fiebertraum, der sich nur in seinem Zynismus und der fortgeschrittenen Technik von Margaret Atwoods „The Handmaid’s Tale“ unterscheidet, unsere gegenwärtige Gesellschaft (je nach Nation) aber durchaus Tendenzen aufweist, in Richtung solcher Szenarien zu gehen. So flott und bissig sich Hotel Love liest, so politisch real sind die Einflüsse, die zu diesem Roman geführt haben. Lest und behaltet dies im Hinterkopf. Und lesen solltet ihr dieses Buch unbedingt! Nicht nur, weil es wirklich spannend ist, sondern auch, weil der Leykam-Verlag im kommenden Jahr sein belletristisches Programm einstellt.
Piuk, Petra: Hotel Love. Leykam-Verlag. ISBN: 978-3-7011-8385-2. Geb. 25 Euro
(I. Dörfel)