27/08/2020
Btrf. Live-Situation MMXX
Verehrter Schwarm,
wir halten es für sinnvoll ein Statement zu aktuellen Konzert-Absagen unsererseits zu verfassen, einerseits um Euch zu informieren, andererseits auch weil wir uns wünschen, dass trotz aller Widrigkeiten, die das Seuchenjahr 2020 mit sich bringt, ein höflicher und professioneller Umgang zwischen Band und Veranstaltern gewahrt bleibt.
Wir haben uns im Kontext der aktuellen Umstände entschlossen, dass wir vorerst nicht mehr live spielen werden. Dies gilt zunächst bis einschließlich Oktober diesen Jahres. Die Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht; wir haben lang und ernsthaft darüber diskutiert und alle Möglichkeiten abgewägt, mussten aber letztlich zu dem Schluss kommen, dass Live-Auftritte für uns zur Zeit weder sinnvoll, noch vernünftig umsetzbar sind.
Am vergangenen Sonntag, den 23.08.2020, ging dann ein Schreiben mit der aus dieser Entscheidung resultierenden Absage an jene Veranstalter, die es betrifft. Ziel des Schreibens war es für alle Beteiligten unter den gegebenen schwierigen Umständen eine Form von Klarheit und Planungssicherheit zu schaffen, dementsprechend haben wir unsere Absage mit klaren Vernunftgründen belegt. Die wesentlichen Argumente dieses Schreibens sind im Folgenden teils wortgetreu, teils auch gekürzt und ergänzt durch die aktuellen Entwicklungen, wiedergegeben.
Das ausschlaggebendste Argument für unsere Entscheidung ist, dass zwei unserer Bandmitglieder im Ausland wohnen (Norwegen & Schweden) und dass dementsprechend Flüge gebucht werden müssen. Allein das schafft schon eine große Unsicherheit. Was, wenn das Festival doch kurzfristig abgesagt werden muss? Wer trägt dann die Flugkosten? Das kann die Band nicht stemmen und das will man auch keinem Veranstalter aufbürden, dessen Festival gerade abgesagt wurde. Was, wenn die Flüge ausfallen oder wenn plötzlich Behörden mit neuen Quarantäneverordnungen oder Reisebeschränkungen dazwischen grätschen? Was, wenn dann der Auftritt darum kurzfristig unmöglich wird?
Genau ein solcher Fall ist am gestrigen Tage eingetreten:
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/norwegen-node/norwegensicherheit/205878?fbclid=IwAR2S5j-dp0Mg4GqEhecsg0XmVS0kbHJFHGUpW277_8A3yGKhqVjavySnMcE
Für alle, die zu faul sind dem Link zu folgen: Die Norwegische Regierung hat eine Reisewarnung für Deutschland ausgegeben, was eine Ausreise für unseren in Bergen wohnenden Gitarristen unmöglich macht. Dies zeigt, dass unser Entschluss keineswegs voreilig oder unüberlegt war. Wir hätten dementsprechend gestern ohnehin unsere Auftritte absagen müssen. Durch die Absage vom Sonntag erhielten betroffene Veranstalter also sogar noch mehr Zeit, um zu reagieren, zum Beispiel indem man sich nach Ersatz umsieht.
Ein weiteres zentrales Argument sind die Verhältnisse auf einen Festival: Da feiert man die Musik, die man so liebt, da trifft man alte Freunde, lernt neue kennen, es wird getrunken, gesungen, gebölkt, sich herzlich umarmt. Das ist eben so und das gehört sich auch so, das macht es zu etwas Besonderem und zu einer großartigen Erfahrung. Mit Sicherheitsauflagen, wie sie derzeit gefordert werden, lässt sich das aber leider nicht vereinbaren. Drei von uns gehören in die sogenannte „Risikogruppe“, mindestens zwei von uns arbeiten an Orten, an denen sie regelmäßig mit vielen Menschen in Kontakt kommen (Theater und Universität). Käme es in diesem Zusammenhang zu einem Infektionsverdacht wären die Folgen „bestenfalls“ Arbeitsverbot und Quarantäne. Im schlimmsten Falle aber könnten ganze Institutionen geschlossen werden, was Verdienstausfälle oder sogar Jobverlust für viele Menschen zur Folge hätte. Dies stellt ein Risiko dar, dass wir nicht tragen wollen.
Lange Zeit schien es, als ob sich die Verhältnisse bessern würden. Noch im Juli und Anfang August sahen die offiziellen Infektionszahlen gut aus. Das liess uns hoffen, dass im weiteren Verlauf des Jahres ein halbwegs normaler Festivalbetrieb wieder möglich wäre. Doch letztlich stiegen die Infektionszahlen wieder. Es ist zu befürchten, dass noch am heutigen Tage neue Beschränkungen und Verordnungen in Kraft treten, die die Durchführung eines Festivals extrem einschränken oder unmöglich machen:
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-08/bund-will-grossvents-bis-2021-verbieten-und-kostenlose-tests-abschaffen
Fast alle Veranstalter wurden sich dementsprechend ihrer Verantwortung bewußt, sagten ihre Festivals ab und verschoben sie aufs nächste Jahr. Diese Entwicklung brachte auch uns dazu, die Lage neu zu überdenken und letztlich eine Entscheidung zu fällen. Wie schon gesagt - wir haben als Band diese schwere Entscheidung getroffen, um eine klare Planungssicherheit für uns, wie auch für alle anderen Beteiligten zu gewährleisten.
Die obige Begründung sandten wir, ergänzt durch (ehrlich gemeinte) freundliche und herzliche Grußworte, Bekundungen des Bedauerns und die Bitte um Verständnis, an die betroffenen Veranstalter. Was ein Veranstalter nun damit anfängt liegt selbstverständlich in seinem persönlichen Ermessen.
Mehr haben wir zu dieser Angelegenheit nicht zu sagen. Es möge sich nun jeder seine eigenen Gedanken dazu machen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Helrunar-Besatzung