05/09/2026
05.09. Wir stell′n die Welt auf den Kopf und schaukeln, bis sich alles dreht. Dondolo! Wenn uns auch keiner versteht. Dondolo! Was ich auch nur schwer verständlich finde:
Am Donnerstag kurz vor Ladenschluss, ich hatte den Schlüssel schon parat, kam eine Dame (schätzungsweise um die 60, nettes Äußeres) in normaler Gesprächslautstärke ziellos vor sich hin redend, womit sie auch im Verlauf des weiteren lausigen Geschehens nicht aufhörte, in den Laden: „'ne Karte. 'ne Ansichtskarte … brabbel-di-brabb .....hier ist ja keiner!“
Ich stand am Kassentresen und dann sah sie mich auch. Ich gab ein „'nabend!“ von mir, womit ich sie allerdngs nicht so weit beeindrucken konnte, dass sie meinen Gruß erwiderte. Ich hänge ja der alten Schule an, wonach Ankommende die Anwesenden grüßen. Aber ich bin auch kein Prinzipienreiter.
Sie stand vor den Ansichtskarten und brabbelte weiter vor sich hin: „Ich weiß nicht, was ich nehmen soll.... ich weiß nicht, was ich nehmen soll …. ich weiß nicht, was ich nehmen soll.“
Ich dachte: Raus hier!
Jetzt hatte sie eine Karte in der Hand und sagte in meine Richtung: „Haben Sie keine RICHTIGEN Ansichtskarten?“
Ich latschte zu ihr hin: „Sie stehen doch davor. Was issn da nicht richtig?“
„Solche Karten gibt es in Bamberg auch.... ich war auch mal Buchhändlerin.“
Ich dachte: O nein! DAS jetzt nicht auch noch!
Sie entschied sich unter anhaltendem Selbstgespräch tatsächlich für zwei Karten. Wir schritten dann Seit' an Seit' in der Tradition alter Ehen (sie redend, ich weghörend) zur Kasse. Dort angekommen: „Ich habe auch mal Buchhändlerin gelernt. Aber heute ist ja alles anders.“
„Ja, nichts ist mehr wie früher.“ Hatte ich Lust auf ein Gespräch? Eher nicht.
Sie erzählte noch Zeug über ihre Verwandtschaft hier in Braunschweig, die aber eigentlich schon in München wohnt. Je nun, ich muss nicht alles verstehen. Sie sei noch bis Sonntag in Braunschweig. Ich wünschte ihr einen schönen Aufenthalt.
Einnahme: Eineurovierzig für zwei mutmaßlich richtige Ansichtskarten.
Kaum war Lady Bamberg draußen, verriegelte ich etwas ratlos und irgendwie überfordert die Tür.
Schönen Sonntag!
Wichtige Novis diese Woche
Neue Romane von Sven Regener, Dörte Hansen, Edgar Selge, Shida Bazyar, Sabrina Janesch, Maxim Biller, John Lanchester
100 Zwischenrufe zur deutschen Einheit von Paula Fürstenberg: Frauke Brosius-Gersdorf mit einem, wie ich finde, wichtigen Buch zu Gefährdungen des Grundgesetzes; Andreas Kossert erzählt eine Familiengeschichte aus Lodz; Mark Forsyth räumt fröhlich mit Weihnachtsmythen auf; ein interessantes Buch über Musen als Frauen, die unsere Welt veränderten; das wissenschaftliche Vermächtnis von Alexander von Humboldt
Lesewochenbuch: Patrick Ryan („Buckeye“ ist ein richtig toller hochgradig unterhaltsamer Schmöker) / Musikbegleitung: Del Amitri, The Monks (nicht die irrsinnigen Monks aus den 60ern, sondern die verrückten Monks von 79/80)
Meine Bestseller des bisherigen Jahres
1. (1) Dirk Endisch: Auf Fotoreise mit Wolfgang Zeunert
2. (2) Ferdinand von Schirach: Alexander
3. (4) Heinz Strunk: Memories of Heidelberg
4. (3) Hannah Häffner: Die Riesinnen
5. (7) Rechts und links vom Ringgleis – Total beflügelt
6. (5) Ewald Arenz: Fünf, sechs, sieben, acht
7. (6) Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion
8. ( 8 ) Uwe Neumahr: Die Buchhandlung der Exilanten
9. (9) Marc Halupczok: Braunschweiger Kneipengeschichten
10. (10) Martin Suter: Können Sie mich sehen?
11. (11) Florian Illies: Träume aus Feuer
12. (12) Jan Jekal: Paranoia in Hollywood
13. (13) Nelio Biedermann: Lázár
14. (14) Robert Seethaler: Die Straße
15. (15) Jean-Luc Bannalec: Bretonischer Glanz
16. (18) Wolf Haas: Wackelkontakt
17. (16) David Safier: 00-Laschet
18. (17) Dieter Diestelmann: Braunschweig – Kleine Stadtgeschichte
19. (-) Alina Bronsky: Pi mal Daumen
20. (19) Christoph Hein: Das Narrenschiff