15/09/2017
Investoren sind derzeit wohl etwas verhaltener in deutsche Unternehmen der Automobilbranche zu investieren. Selbst in der Politik warnt man vor sinkender Reputation des Gütesiegels „Made in Germany“. Wird das deutsche Qualitätssiegel demnach in Zukunft, dank des Diesel-Skandals im vergangenen Jahr, an Wert verlieren?
„Made in Germany“ in Gefahr?
Aus Politik und Wirtschaft mehren sich aktuell die warnenden Stimmen, dass sich die Krise der Automobilbranche zur Belastung für die gesamte deutsche Volkswirtschaft auswachsen könnte. DIW-Chef Marcel Fratzscher hat sich bereits entsprechend geäußert und auch Martin Burkert, Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses, befürchtet dass „das Qualitäts-Label ‚Made in Germany‘ Schaden nehmen könnte“. Besonders die Kartellvorwürfe gegen die Autobauer sind heikel: Kommt es zu Beweisen und Sammelklagen, sind Umsatzeinbußen kaum vermeidbar und diese würden indirekt auch die Zulieferindustrie und den Mittelstand treffen.
Neben den wirtschaftlich direkt spürbaren Konsequenzen, zu denen auch die sinkenden Aktienkurse gehören, sind die mittel- und langfristigen Auswirkungen auf den guten deutschen Ruf weniger leicht messbar. Natürlich sind aus dem Ausland kritische Stimmen zu hören und vereinzelt hämische Kommentare, weil gerade die Deutschen sich sonst gerne als strenge Kontrolleure und korrekte Umweltschützer gebärden.
Mancherorts reagiert man jedoch auch mit Zurückhaltung oder sogar Verständnis. Leonid Bershidsky, „Bloomberg“-Kolumnist aus Moskau, ermutigt die Deutschen beispielsweise, nicht über die Autoindustrie als eine nationale Schande zu jammern, sondern die enge Zusammenarbeit der Hersteller als überlebensnotwendig zu begrüßen. „Die Deutschen können unbarmherzig sein, wenn sie sich selbst verprügeln. Wenn es um ihre Autoindustrie geht, läuft diese Neigung aus dem Ruder.“ Auch das amerikanische „Wall Street Journal“ hält die Debatte für übertrieben und den jüngsten Ausverkauf an den Aktienmärkten für eine Überreaktion.
Kein bleibender Schaden.
Entscheidend wird wohl sein, wie Volkswagen, Daimler und Co. in den kommenden Monaten mit „Dieselgate“ umgehen. Wenn sogar Bundeskanzlerin Merkel offen eingesteht „Ich bin sauer!“ werden ein paar halbherzige Lippenbekenntnisse in diesem Fall wohl nicht genügen, um das angeknackste Vertrauen wiederherzustellen. Gelingt das Krisenmanagement, spricht jedoch vieles dafür, dass „Made in Germany“ keinen bleibenden Schaden erleiden wird – zu langlebig sind Länderimages, zu stark das deutsche Label, zu schnelllebig unsere Zeit, in der der nächste Skandal uns wieder vergessen lässt.
Wer für deutsche Produkte im Ausland wirbt, wird folglich auch zukünftig die Herkunft nicht im Kleingedruckten verstecken müssen. Dennoch gibt es auch für ein robustes Label wie „Made in Germany“ keine ewigwährenden Erfolgsgarantien und eines sollte allen klar sein: Wenn wir jetzt noch anfangen, schlechtes Bier zu brauen, haben wir wirklich ein Problem!
Quelle:
Die Politik warnt bereits, dass das Gütesiegel „Made in Germany“ durch den Diesel-Skandal seinen Wert verlieren könnte. Allerdings spricht vieles dafür, dass es keinen bleibenden Schaden geben wird.