27/01/2023
Als Autorin lebe ich von Tantiemen. Das heißt: vom Erlös jedes verkauften Buches, E-Books oder Horbuches aus meiner Feder gibt mir der jeweilige Verlag einen vereinbarten Prozentsatz ab. Das ist mein Einkommen.
Das Unternehmen Blinkist, das auch hier auf Instagram mit vielen Influencer*innen zusammenarbeitet, hat ein anderes Geschäftsmodell: Es fasst erfolgreiche Sachbücher in so genannten "Blinks", also kompakten Kurzversionen zusammen und vermarktet diese. Das Werbeversprechen: Bekomme alles Wesentliche in einem Bruchteil der Zeit.
Was viele nicht wissen: An den Erlösen aus den Kurzzusammenfassungen unserer Bücher werden wir Autor*innen nicht beteiligt. Mit keinem Cent. Vielen Nutzer*innen der beliebten App ist das nicht klar. Sie gehen selbstverständlich davon aus, dass wir beteiligt werden. Blinkist muss dazu doch eigentlich auch verpflichtet sein, oder?
Nein. Denn Blinkist argumentiert, dass es sich mit seinen Blinks nicht am geistigen Eigentum anderer bedient, sondern Werke mit einer eigenen Schöpfungshöhe schafft. Und kommt damit durch.
Auf Kritik an dieser Geschäftspraktik reagiert Blinkist oft mit dem Verweis darauf, dass unsere Verlage durchaus von ihnen Geld bekommen würden. Es sei ja nicht ihre Schuld, dass sie uns Schreibenden nichts davon abgeben.
Was stimmt: Blinkist kooperiert mit mehreren Verlagen und bezahlt sie dafür, die Original-Cover der Sachbücher sowie einige wörtliche Zitate aus dem Originalbuch verwenden zu dürfen. Sie kaufen aber nicht (!) das Nutzungsrecht an unseren Manuskripten ein. An denen bedienen sie sich nach wie vor einfach so. Und weil Autor*innen nicht an der Nutzung von Buchcovern, sondern nur von Buchinhalten beteiligt werden, bekommen wir: nichts.
Blinkist sagt, wir profitierten indirekt trotzdem: weil die Blinks ein Buch ja auch bekannter machten. Und ja, manche kaufen ein Buch, nachdem sie eine Kurzzusammenfassung gehört haben. Viele nicht.
Was besonders dann ärgerlich ist, wenn die Blinks sinnentstellend schlecht sind. So bekam ich schon einige wütende Leserbriefe zu Ausaagen, die ich so nie getroffen habe - die aber in Blinks meiner Bücher stehen.
Deshalb: Meidet bitte Blinkist. Und erzählt es weiter.