08/05/2020
Juhuu 😍 Spitzentitel aus Dortmund für uns und für euch! 😎
Eine weitere Runde »Fragen an...«. Maja Ilisch! 😁📚
Hobbit Presse: Weshalb wählst du gerade fantastische Elemente, um eine Geschichte zu erzählen?
Maja Ilisch: Ich liebe die Fantasy aus sehr vielen Gründen. Zum einen habe ich sehr viele Freiheiten, Welt und Gesellschaft genau so zu erschaffen, dass sie die optimale Bühne für die Geschichte, die ich erzählen will, bietet – wobei die Welt bei mir eher nicht im Mittelpunkt steht, sondern wirklich mehr die Kulisse ist, vor der ich meine Figuren bewege. Außenseiter, die über sich hinauswachsen, funktionieren in einem Fantasysetting besonders gut – selbst, wenn sie dann nicht die größten aller Helden werden, sondern ihre persönlichen Probleme immer als einen Teil von sich selbst mitschleppen.
Aber wenn man einmal den Hintern hochbekommt, kann man auch mit Depressionen die Welt retten, und auch ohne körperlich der unbezwingbare Brecher zu sein, kann man seine Herausforderungen meistern – diese Vorstellung gefällt mir. Ich nenne mein Genre immer gerne »Anti-Heroic Fantasy«, das trifft es sehr gut.
Tatsächlich ist Fantasy ein sehr paradoxes Genre. Auf der einen Seite ist wirklich alles möglich, was man sich irgendwie vorstellen kann – auf der anderen Seite ähneln sich viele Geschichten dann wieder sehr. Da kommt dann leicht der Vorwurf auf, dass es in der Fantasy nichts neues mehr gibt, alles schon mal dagewesen – und diese Erwartungshaltung nutze ich aus.
Gerade in der High Fantasy denken die Leser gerne, dass sie von Anfang wissen, wie die Geschichte ausgeht, und da spiele ich mit, gaukle ihnen das vertrauteste Setting vor und stelle dann alles auf den Kopf, weil eben doch alles ganz anders war. Ich will meine Leser immer wieder überraschen, und das funktioniert am besten da, wo die Leute denken, schon alles zu kennen. Ich führe meine Leser einfach gerne an der Nase herum, und dafür kann man die vermeintliche Abgedroschenheit der Fantasy wirklich gut ausnutzen.
Außerdem bin ich bockig. Fantasy ist ein Genre, das literarisch nicht den besten Ruf hat. Da rümpfen manche die Nase und nennen es Kinderkram, gehobene Buchhandlungen führen dieses verpönte Genre aus Prinzip nicht, reine Unterhaltungsliteratur, kein Anspruch, alles Schund … und das stimmt eben nicht. Genau wie es im Krimi-Bereich alles gibt, vom Groschenheft bis zum psychologisch und literarisch höchst anspruchsvollem Thriller, ist auch in der Fantasy alles möglich.
Je mehr Leute ich im Literaturbetrieb auf die Fantasy habe schimpfen hören, desto größer war mein Entschluss, genau das zu machen. Da bin ich vielleicht noch die gleiche wie mit siebzehn Jahren, die sich in der Außenseiterrolle am wohlsten fühlt und immer das Gegenteil machen muss von dem, was alle anderen machen. Und wenn ich jetzt die Unkenrufe höre, dass Fantasy auf dem absteigenden Ast ist, High Fantasy sowieso tot, und wenn keine Romantik im Mittelpunkt steht, kauft das von einer Frau sowieso keiner – dann bekomme ich doppelt und dreifach Lust, genau so weiterzumachen wie jetzt. Nur eben immer besser.
Am Ende ist Fantasy auch nur die Bühne, auf der wir unsere Figuren platzieren, und wir haben die Möglichkeit, alles damit zu machen, leicht oder schwer, tragisch oder witzig – Fantasy ist ein Meta-Genre, sozusagen. Ein Fantasyroman kann ein Krimi sein, eine Liebesgeschichte, ein Justizthriller, es sind keine Grenzen gesetzt, was man draus machen kann. Das kann nur die Phantastik – Science-Fiction zähle ich auch dazu: Uns alles an die Hand zu geben, was wir brauchen, um genau die Geschichte zu erzählen, die wir gerne erzählen wollen, und alle Parameter genau so zurechtbiegen, dass es passt.