20/07/2022
Heute mal etwas zu einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt und mir auch enorme Kopfzerbrechen bereitet: WERTSCHÄTZUNG
Dazu eine kurze Geschichte
Als ich anfing, Tiere zu häkeln, wurde ich gefragt, ob ich ein ganz bestimmtes Tier nach Anleitung machen könnte. Es handelte sich um einen Fuchs. Da ich gerade erst angefangen hatte, traute ich mir das nicht zu und fragte eine sehr gute Freundin, ob sie das machen würde. Sie sagte zu und so stellte ich den Kontakt her. Als ich eine Zeit später nachfragte, antwortete sie nur sehr verhalten und meinte nur, dieses Thema sei für sie erledigt. So fragte ich nicht weiter nach…
Mittlerweile weiß ich, dass sie sehr enttäuscht war und auch, warum das so ist. Also erwarb ich die gleiche Anleitung von „lalylala“ auch noch einmal (kostete zwischenzeitlich nur noch 5,50 €), besorgte Wolle für knapp 35,00 € + 4,50 € Versand, sowie Füllwatte und Sicherheitsaugen (zusammen etwa 7,50 €) und begann zu arbeiten. In der Zwischenzeit hatte ich so viele Tiere gemacht, dass ich mir auch dieses anspruchsvolle Projekt zutraute. Ich hatte also bereits VOR Beginn der Arbeit etwa 50,00 € ausgegeben. Effektiv habe ich dann ungefähr 21 Stunden an dem Fuchs gearbeitet. Bei einem derzeitigen Stundenlohn (seit 01.07.2022) von 10,45 € wären das rein rechnerisch 219,45 €. Da ich ja auch noch einen Platz zum Arbeiten brauche, Strom und auch Arbeitsmittel, für die Firma auch Kammerbeitrag bezahlen muss, damit ich die fertigen Produkte verkaufen darf, kommen dazu pauschal noch einmal 10,00 €. Später dann noch Umsatzsteuer, weil ja ein Gewerbe vorhanden ist.
Alles zusammen komme ich auf schlappe 281,45 €!!!
Da ich aber weiß, dass es eine „Geiz-ist-geil“-Mentalität gibt, würde ich als „frau gundis“ im Verkauf einen Preis von maximal 100,00 € anbieten, wobei auch da immer noch ein Handlungsspielraum gegeben wäre. Doch bereits damit würde ich den Fuchs und damit auch mich und meine Arbeit wesentlich unter Wert verkaufen! Die Schmerzgrenze nach unten wären in diesem Fall 60,00 €!
Geht man zum Maßschneider und lässt sich ein Kleid oder einen Anzug anfertigen oder ein paar Schuhe beim Maßschuhmacher oder eine maßgeschneiderte Kücheneinrichtung, dann käme auch niemand auf die Idee, da nur einen Mitleids-Obolus zu entrichten! Sicher geht man nicht zu diesen Handwerkern, wenn man es sich nicht leisten kann, denn man weiß von vornherein, dass das teuer ist! Wieso billigt man nicht den kleinen Handwerkern (die NUR häkeln, stricken, nähen oder sticken) zu, dass sie ebenfalls für ihre Anstrengungen und Leistungen adäquat entlohnt werden?
Und nun nenne ich den Preis, der an meine Freundin gezahlt wurde: 14,50 €! Das ist sowas von unter aller Würde! Was denken sich eigentlich Leute, die handgefertigte Dinge möchten und nicht bereit sind, wirklich angemessen dafür zu bezahlen? An dieser Stelle sei auch gesagt, dass das nach MEINER Erfahrung nur Ausnahmen sind, denn es gibt die tollen Kunden, die wissen, was für Arbeit hinter jedem Stück steckt und auch, wie viel Herzblut ein Handwerker in seine Arbeiten mit einarbeitet!
Ich bin gefragt worden, warum ich solche Beiträge poste… Ganz einfach: ich möchte, dass die Akzeptanz des „kleinen“ Handwerks wieder steigt und natürlich möchte ich zum Nachdenken anregen!
Links im Bild ist das Original aus der Anleitung, rechts meine FIBI (ich möchte anmerken, dass der Schal mein erster Strick-Versuch nach fast 45 Jahren war)
Ein Nachtrag: ich habe hier weder jemanden vorgeführt, noch angeprangert, denn ich habe keine Namen genannt! Es sei auch angemerkt, dass sich KEINE der beiden in irgendeiner Form bei mir beschwert hätte. Es war nur Enttäuschung!
Es ist mir doch völlig egal, wie sich die beiden Damen geeinigt haben und wie es dazu kam! Und schon gar nicht muss sich irgendwer rechtfertigen! Mir ging es einzig und allein um den "Vorfall" als solchen! Wenn sich also jemand auf den Schlips getreten fühlt, tut es mir leid!
Trotzdem kann ich mich nicht zurückhalten und sage mit einem Augenzwinkern: "Getroffene Füchse bellen!" 🤣🤣🤣🤣🤣
Noch ein Nachtrag: Die Anleitung kostet mittlerweile 7,70 €, was ich persönlich viel zu wenig finde! Auch beträgt der Mindestlohn seit Anfang 2024 nunmehr 12,41 €. Aber das kann nun jeder selbst ausrechnen 😉