03/09/2026
Die Aufschlüsselung eines Fischsterbens, Teil 1, die Auslöser.
Der Tod hat (s)ein Vorspiel.
Fischsterben, wieso, weshalb, warum?
In diesem Sommer waren die News voller Bildern toter Fische.
Scheinbar kamen die Unglücke plötzlich und unerwartet. Doch der Tod in jedem Gewässer hatte sein eigenes Vorspiel und kam mit Ansage. Vorhersehbar aber leise. Auch im Köllerbach.
Der menschengemachte Kimawandel spielte darin seine Rolle, mal mehr, mal weniger, denn die Hauptrolle spielte der Mensch an sich, mit all seinen Fehlern. Und es gibt genug davon, bewußte, unbewußte, offensichtliche und verborgene, absichtliche oder versehene, schwerwiegende oder begleitende.
Doch wir Menschen sind oft einfach gestrickt. Sündenböcke müssen her, am besten ist es der "Andere", oder ein anonymer Parameter oder Fakt. Hauptsache nicht wir selbst.
Der Sauerstoff war es, die Goldalge oder eben der Klimawandel. Mit abnehmendem IQ und demnächst Abschaffung der Schulpflicht, wie es blaue Populisten anstreben, wird die Natur für uns ein Buch mit sieben Siegeln. Das Verständnis komplexer Prozesse verschwindet zunehmend.
Doch das gilt nicht für alle Deutschen. Für diejenigen, die mehr über das Entstehen der Fischsterben wissen wollen ist dieser etwas längere Post. Lesestoff.
Chronologie eine Fischsterbens anhand des Fallbeispiels vom 4.August 2026 im Köllerbach.
Wir haben die Situation auch mit Messungen nachverfolgt. Auch mit der Nase. Gemessen wurde in Walpershofen an der Messsäule, nach der Brücke am Klärwerk und in Püttlingen Stadtmitte, ab und zu in Völklingen, teils mit komplexen Methoden, teils mit einfacher Titration jedoch ohne teure Sonden, Uhrzeit etwa 9 Uhr, Ausnahme war der Starkregen vom Freitag den 28. August, dann etwa 2-3 h nach dem Niederschlag tagsüber.
Wir, das sind der NABU Köllertal und unsere Kooperationspartner der Zukunftswerkstatt Wasser und Gewässer des BUND Saar
● KW 31: Das Vorspiel. Die Dürre, Wasserstand Walpershofen 4 cm, Wasserstand Völklingen 38 cm, Durchfluss unbekannt, Zufluss aus Seitenbächen auf der Strecke nahezu null, der Bach besteht zu diesem Zeitpunkt in erster Linie aus dem Abfluss der Kläranlage und den gepumpten Grubenabwässern mit erhöhten Salzkonzentrationen. Erstaunlicherweise leben die Fische noch. Temperatur gute 24 Grad, teils wärmer, Sauerstoff vormittags etwa bei 6,5 mg/L, also zu wenig, Gestank ab der Brücke nach dem Klärwerk erbärmlich, mit Abwasserpilz belastet. Ab diesem Punkt sind die Parameter TOC, Nirtit, Orthophosphat und Salzionen über dem Limit, der pH bei 6,.. bedingt durch die H+Ionen der Biofiltration. Bis zur Brücke in Püttlingen erfolgte eine Halbierung der Nitritwerte, erklärbar durch natürliche Oxidation und eine leichte Erholung des pH durch das Bachbett. Dementsprechend leicht erhöht war der Nitratwert dort, Sauerstoff leicht verbessert, die Welt war scheinbar wieder halbwegs in Ordnung,. Die Fische waren jedoch vorbelastet, Ektoparasiten stark verbreitet, Nitrit stört die Sauerstoffaufnahme in den Zellen, Ammonium an den Kiemen, Stress war offensichtlich, was den Bedarf erhöht, manches Salzion hat positiv und oder negativ gewirkt. Das Klärwerk wurde über Dritte informiert und hat reagiert.
● KW 32: Die Verschleierung. Auch ab dem Klärwerk hatten sich Werte verbessert, die Duftnote wurde erträglich, Nitrit war reduziert, Sauerstoff gegen 8mg/L, die Situation schien entschärft. Wie die interne Reaktion im Klärwerk war, konnten wir nicht klären. Üblicherweise erhöht man die Belüftung, das kostet Geld und oder erhöht die Standzeiten in den Kammern der Biofilter, das kostet Puffervolumen, ein Risiko. Viel mehr Möglichkeiten sind oft nicht vorhanden oder anlagenspezifisch. Trotz guter Arbeit sind unsere Klärwerke hier eingeschränkt und letztendlich nicht auf die Folgen den Klimawandels ausgerüstet. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte.
● KW 33: Das Unglück, es kam von Montag auf Dienstag, 3. auf 4. August, Starkregen gegen zwei Uhr nachts, die in etwa ungünstigste Uhrzeit. Was war dann geschehen? Nun, die Werte am Morgen deuten am ehesten auf einen Überlauf von Regenrückhaltung und oder Mischbecken und oder Biofiler hin, im kleineren Rahmen auf landwirtschaftliche Abwässern des Oberlaufs. Der Wasserstand lag höher, die Trübung war extrem, nahezu alle Pflanzen waren mit Schlamm bedeckt und kaum zur Photosynthese fähig, die Ammoniumwerte, welche kurz zuvor noch unter 0,1 mg/L lagen, waren an allen Messstellen noch 6h nach dem Starkregen ein mehrfaches überhöht, mit starker Tendenz zum Abklingen. Die Stoffe wurden weiter in die Saar getragen. Tote Fische waren aufgrund der Wassermenge und Trübung nur vereinzelt zu sehen und wurden abgetrieben. CO2 war erhöht, O2 bei etwa 7mg/L, Temperatur 23 Grad, das Ausmaß lag noch im Verborgenen.
● KW 33: Mittwoch der 5. August. Der Tod zeigt sich in voller Pracht. Tote Forellen, Grundeln, Plötzen, Barben, Gründlinge und selbst Döbel treiben im Fließ. Obwohl die Wassewerte wieder verbessert waren lag der Köllerbach voller toter Fische mit weißen Kiemen und der Gestank war erbärmlich. Manche Bürger starteten Rettungsversuche, nutzlos. Polizei und Ämter waren informiert, doch zu spät. Die Schläge des Vortages haben die bereits geschwächten, vorbelasteten Tiere hart getroffen, der typisch nächtliche Sauerstoffabfall war nur noch der Sargnagel.
Wer immer hier nachfragt wird nicht mehr hören, als dass der Sauerstoffgehalt zu niedrig war. Die Komplexität ist für unsere Gemeindepolitiker nicht fassbar. Schade.
Doch wenn man das Geschehene intensiver betrachtet, erkennt man klar die Zusammenhänge und Lösungsmöglichkeiten. Um diese zu erklären benötigen wir etwas Zeit und einen eigenen Post für Menschen mit tieferem Interesse.