28/10/2020
LESEPROBE:
[...] Herr Chen Honglie 陳鴻烈 [Anmerkung: 18. Generation des Chen Clans (1922-1983)] gilt als Erbe und Nachfolger von Chen Xin's Faustkampftheorie und Soloform. [...]
[...] In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, mit Kriegswirren und schlechten Lebensbedingungen für das Volk, fortgesetzten, natürlichen und vom Menschen verursachten Katastrophen, verließen viele, junge, kräftige Leute aus dem Chen-Dorf zum Großteil wegen ihrer Lebensplanung ihre angestammte Heimat; sie flohen in die Fremde, um da ihr Leben zu fristen, während sie die Alten und Schwachen zurückließen. In den Wintermonaten kehrten sie dann in ihre Heimat zurück, auch um die Faustkampfkunst und den Umgang mit Waffen zu trainieren. Mit leeren Mägen und ganz kraftlos übten sie die Faustkampfkunst und die Waffen, die Heng- und Ha-Töne der Faustkampfkunst, mit den Dingdang-Geräuschen beim Tanz mit den Waffen, still und heimlich, alle Spuren verbergend.
Angesichts solcher schwieriger Umstände war Chen Honglie extrem beängstigt, dass die Tradition des Clans nicht tradiert werden und verloren gehen könnte. In den Jahren 1931 bis 1934 hatte er daher vier Mou (ca. 2683 m²) Küstenland verpfändet und mit dem Geld Gaoliang (Sorghum) eingekauft. Diesen ließ er mit eigenem Weizen zu Mehl vermahlen, und von Familienangehörigen ließ er daraus täglich mehr als 30 dunkle Kuchen dämpfen, die den zu ihm kommenden Faustkampf-Übenden als Proviant gereichten. Und so konnte er ein tägliches Training mit nicht weniger als 20 oder gar 30 Übenden beibehalten. Darunter trainierten folgende Persönlichkeiten den Kleinen Rahmen: Chen Kezhong, Chen Zhongdi, Chen Qingfeng, Chen Bowen, Chen Jinbang, Chen Tianhe und andere. Den Großen Rahmen übten: Chen Linyan, Chen Liangzhi, Chen Wentian, Chen Jingping, Wang Ping, Geng Zhanbiao und andere.
Herr Chen Honglie hat dieses Arrangement solange aufrecht erhalten, bis die Japaner in die Heimat eindrangen und diese eroberten. Danach konnte auch er nicht anders und war gezwungen der Heimat den Rücken zu kehren, um in den Nordwesten zu gehen und dort an zahlreichen Orten Kampfkunst zu unterweisen. Für die Erhaltung, Fortführung und Entwicklung der Kampfkunst des Chen-Clans bis zu einem nicht mehr auslöschbaren Stadium hat Chen Honglie einen sehr großen Beitrag geleistet. [...]
[Anmerkung: Chen Honglie war ein Nachfahre in der Blutlinie von Chen Wangtings Bruder Chen Wangqian.]
Quelle: Kommentare zu den grafischen Erläuterungen zum Taijiquan des Chen-Clans, Übersetzung ins Deutsche Dr. Hermann Bohn (alias Bai Yiming)
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