28/11/2023
Kennen Sie Georg Wilhelm Pabst?
Ohne die kurze Nennung in Quentin Tarantinos Film „Inglourious Basterds“ wäre mir der bedeutende Stummfilm-Regisseur der Weimarer Republik bis zu Daniel Kehlmanns neuem Roman auch kein Begriff gewesen.
Kehlmann beschreibt in „Lichtspiel“ Pabsts vollkommen unkonventionelle Emigrationsgeschichte, die ihn erst 1933 nach Hollywood führt, wo er fulminant scheitert, um von dort über Paris nach Nazi-Deutschland zurückzukehren, wo er in den goldenen Käfig des Propaganda-Apparates gerät. Die historisch-biographischen Beweggründe Pabsts sind bis heute unbekannt. Kehlmann strickt in seinem Buch, das eine gekonnte Mixtur aus Spannungsroman, Satire und Tragikomödie ist, eine Theorie, was Pabst bewegt haben könnte. Hier geht er der Frage nach, wie Kunst zu schaffen in einer Umgebung, die unfreier kaum sein könnte, überhaupt möglich ist und stellt den Leser immer wieder vor die Frage, wie er sich in einer solchen Lage verhalten würde. Neben Greta Garbo, Carl Zuckmayer und Heinz Rühmann begegnen wir selbst Joseph Goebbels, der als namentlich ungenannter „Minister“ für eine der stärksten Szenen des Romanes sorgt.
Kehlmanns Talent, mit ausgefeilten Dialogen Beklemmung zu schaffen und ganz allmählich eine Spannung aufzubauen, die stellenweise kaum zu ertragen ist, hat mich tief beeindruckt!