20/06/2026
𝗩𝗶𝗲𝗹 𝗟𝗲𝗯𝗲𝗻 𝗶𝗻 𝘃𝗲𝗿𝗺𝗲𝗶𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲𝗺 𝗧𝗿𝗼𝗰𝗸𝗲𝗻𝗹𝗮𝘂𝗯
Geister-Mantis, Phyllocrania paradoxa
Ein perfekt getarntes Insekt wird kaum behelligt, selbst dann, wenn es sich um einen Räuber handelt wie die auch „Verdorrtes Blatt“ genannte Phyllocrania paradoxa. Sie ähnelt in verblüffender Perfektion einem dürren Blatt und kann sich sogar in ihrer Farbtönung des braunen bis schmutzig-ockerfarbenen Chitinkörpers an die Gegebenheiten anpassen. Doch auch die vielen Anhängsel am Abdomen (Loben) dieser Fangschrecken perfektionieren den Eindruck eines vertrockneten Pflanzenteils. Aber diese Tarnung kommt auch der lauerjagdlichen Lebensweise von Phyllocrania paradoxa zugute, denn wer rechnet schon damit, von einem „Blatt“ angegriffen und verzehrt zu werden.
Die Geister-Mantis ist weit verbreitet in West- und Ostafrika und fehlt nur in der zentralafrikanischen Region, sie kommt zudem in Madagaskar vor. Sie bewohnt ganz unterschiedliche Habitate von lichten Savannenwäldern bis hin zur offenen Landschaft mit kleinen Büschen. Meist sind es trockene Lebensräume, in denen dürre Blätter zuhauf vorkommen. Dem entsprechend richtet man auch ein Terrarium für diese Schrecken ein: trocken, mit vielen Zweigen zum Klettern und einer Temperatur von tagsüber 25 bis 30, nachts 20°C. Man füttert sie ihrer Körpergröße entsprechend mit diversen Fliegen.
Im Gegensatz zu manch anderen Mantiden, die nur einzeln gepflegt werden können, lässt sich Phyllocrania paradoxa in gut strukturierten Terrarien vergesellschaften. Am besten kann man die Männchen anhand ihrer deutlich dickeren und längeren Antennen erkennen, ihre „Krone“ am Kopf ist zudem schmaler und gezackter als jene der Weibchen. Zwei Wochen nach der letzten Häutung setzt man beide Geschlechter zusammen. Das Männchen sitzt auf dem Weibchen bei der Paarung, die einige Tage lang dauern kann. Die Weibchen kleben danach einige Gelege an die Einrichtungsgegenstände des Terrariums. Eine kokonartige Oothek enthält bis zu 50 Eier. Je nach Temperatur schlüpfen die Nymphen ab etwa vier Wochen und nehmen Collembolen als Erstnahrung an.
Hajo Herrmann