13/09/2026
𝗟𝗮𝘂𝗲𝗿𝗷𝗮̈𝗴𝗲𝗿 𝗶𝗻 𝗕𝗿𝗮𝘂𝗻𝘁𝗼̈𝗻𝗲𝗻
Winzige Nachtschlange, Ithycyphus miniatus
Ithycyphus miniatus ist eine in Madagaskar heimische, schwach giftige Trugnatter aus der Familie der Pseudoxyrhophiidae, die gar nicht so winzig ist, wie man beim deutschen Namen vermuten könnte. Außerdem ist sie tagaktiv, also auch dieser teil des Namens ist irreführend. Sie lebt in feuchten und trockenen Wäldern sowie im Buschland und bewohnt Bäume. Ithycyphus miniatus ist endemisch in Madagaskar und dort über weite Teile verbreitet. Sie ist fast überall im Nordwesten und Norden Madagaskars sowie entlang der Nordostküste zu finden. Neben der Hauptinsel besiedelt sie auch vorgelagerte Inseln wie Nosy Be und Nosy Komba. Ihre Gesamtlänge beträgt ca.1,30 m. Das Gewicht ausgewachsener Tiere kann bis 400 g betragen. Ithycyphus miniatus ist ein aktiver, baumbewohnender Jäger, der sich von einer Vielzahl kleiner Wirbeltiere, Reptilien, Frösche und Vögel ernährt. Die Schlange nutzt eine Kombination aus Lauerjagd und aktivem Aufspüren ihrer Beute in den Bäumen und im Gebüsch. Im Gegensatz zu vielen reinen Trugnattern, die ihre Beute einfach nur festhalten wickelt sie ihren Körper um größere oder wehrhaftere Beutetiere, um diese zu erwürgen. Als Trugnatter besitzt sie Giftzähne weit hinten in der Gaumenhöhle. Beim Kauen transportiert sie ein mildes Gift in die Wunde der Beute. Dieses Sekret wirkt bei Beutetieren wie Chamäleons schnell und lähmt sie oft innerhalb von zwei Minuten vollständig, was das Verschlingen erleichtert.
Die Haltung von Ithycyphus miniatus im Terrarium ist äußerst selten und anspruchsvoll. Es gibt auf dem Markt fast keine Nachzuchten; bei den sehr selten angebotenen Tieren handelt es sich meist um Wildfänge, deren Eingewöhnung schwierig ist. Tagsüber sind ca. 25 bis 28 °C ideal, mit einem lokalen Wärmeplatz von bis zu 35 °C. In der Nacht sollte die Temperatur auf etwa 18 bis 20 °C abgesenkt werden. Es empfiehlt sich eine mittlere Feuchtigkeit, die durch eine täglich leicht feucht gehaltene Box und regelmäßiges Sprühen ergänzt wird. Als tagaktive Jäger benötigen die Tiere helles Licht sowie eine UVB-Beleuchtung, um gesund zu bleiben und ihre natürlichen Verhaltensweisen zu zeigen. Die Futterumstellung im Terrarium gilt als die größte Hürde. Wildfänge verweigern anfangs oft die üblichen Frostmäuse, da sie auf Echsen und Frösche geprägt sind. Die Umgewöhnung erfordert viel Geduld. Die Fütterung sollte immer mit Hilfe langer Pinzetten erfolgen. Obwohl das Gift für den Menschen als nicht lebensgefährlich gilt, ist die genaue Toxizität der Zusammensetzung kaum erforscht. Ein Biss kann schmerzhafte Schwellungen und lokale Reaktionen hervorrufen. Das Terrarium muss Aufgrund ihrer baumbewohnenden Lebensweise hochformatig sein. Eine dichte Struktur aus stabilen Kletterästen, Lianen und robuster Bepflanzung ist erforderlich. Mehrere erhöhte Verstecke (z. B. hohle Korkröhren oder geschlossene Nistkästen) bieten Rückzugsorte. Eine kontrollierte Nachzucht von Ithycyphus miniatus im Terrarium ist bisher kaum dokumentiert. In der Terraristik gilt die erfolgreiche Vermehrung dieser Art als Ausnahmefall. Es fehlen genaue Zuchtberichte.
Trugnattern unterliegen in einigen deutschen Bundesländern sowie in Teilen Österreichs und der Schweiz strengen gesetzlichen Melde- oder Genehmigungspflichten. Die Art gilt als nicht gefährdet gemäß der Roten Liste der IUCN
Roland Zobel