29/05/2022
Buchempfehlung von Sandra Raupach
Bonnie Garmus: Eine Frage der Chemie (Roman)
Die 60er Jahre, noch gar nicht so lange her und trotzdem eine komplett andere Welt. Emanzipation und Gleichberechtigung waren noch Fremdwörter.
Elizabeth Zott ist Chemikerin, eine Seltenheit damals, denn eine intelligente, selbstbewusste Wissenschaftlerin ist in der männlich dominierten Welt nicht vorgesehen, nicht vorstellbar und nicht erwünscht.
Als Calvin Evens, das Genie am wissenschaftlichen Institut, und Elizabeth sich kennenlernen, hält er sie auch erst „nur“ für eine Sekretärin, doch dann verlieben sich die beiden und leben unverheiratet (!) zusammen. Im Gegensatz zu allen anderen am Institut erkennt Calvin die herausragenden fachlichen Fähigkeiten von Elizabeth und unterstützt sie in ihrer Arbeit, ohne sich jedoch in den Vordergrund zu drängen. Als Calvin an den Folgen eines tragischen Unfalls stirbt und Elizabeth feststellt, dass sie schwanger ist, beendet das Institut die Zusammenarbeit mit ihr. Als alleinerziehende, unverheiratete, arbeitslose Frau nimmt sie das Angebot eines Fernsehsenders an, eine Kochshow zu moderieren: Essen um sechs. Was sie ihren Zuschauerinnen dort bietet, ist einzigartig, denn auch kochen ist für sie Chemie.
Das Buch ist ein Plädoyer für die Emanzipation der Frau und gegen Übergriffe, Mobbing, Benachteiligungen und Vorurteile.
Ich habe selten ein Buch gelesen, das so viele Gefühle in mir ansprach: Faszination, Freude, Enttäuschung, Fassungslosigkeit, Wut, Hoffnung. Ich habe mit Elizabeth gelitten und gelacht.
Flüssiger Schreibstil, witzige Dialoge. Wird bestimmt verfilmt.