17/05/2024
Kunden fragen – wir antworten
Heute: "Was soll denn diese Gold-Silber-Ratio sein und ist die wichtig?“
Derzeit wird auf unterschiedlichen Kanälen wieder vermehrt die sogenannte Gold-Silber-Ratio thematisiert. Kein Wunder also, daß neulich ein Kunde mit obiger Frage zu uns in den Laden kam.
Der erste Teil der Frage ist leicht zu beantworten: die Gold-Silber-Ratio sagt aus, wieviel Anteile Silber man aufwenden muß, um einen Anteil Gold zu kaufen (und umgekehrt). Sie wird in der Regel in einer einfachen Formel angegeben, z.B. 1:15 (für einen Anteil Gold muß man 15 Anteile Silber aufwenden) oder 1: 86 oder was auch immer.
Der zweite Teil der Frage verlangt eine deutlich komplexere Antwort. Zuerst muß man wissen, daß es zwei Arten von Gold-Silber-Ratios gibt bzw. gab:
1. ein durch Obrigkeiten festgelegtes Wertverhältnis
2. ein sich am Markt ergebendes Verhältnis
Man darf die beiden Verhältnisse nicht miteinander vermischen, weil man sonst zu völlig falschen Schlüssen kommen könnte. In Zeiten, als es einen Bi-Metall-Standard gab (sowohl Gold und Silber waren Geld und gegeneinander nach Gewicht austauschbar – siehe: Kurantmünzen), mußte festgelegt werden, wie das Wert- und Gewichtsverhältnis von Gold und Silber zueinander sein sollte. Das hat in der Praxis selten wirklich funktioniert, weil zuviel Faktoren den Wert von Edelmetallen beeinflußten (Bestände, Fördermengen, Bedarfe usw.). Es geistert noch die historisch über lange Zeit gültige Zahl von 1:15 durch die Lande, aber das hat mit Marktbewertungen nichts zu tun. Wer also meint, Silber sei günstig, weil derzeit eine Gold-Silber-Ratio von plusminus 1:85 herrscht, der kann ggfs. völlig falsche Anlageentscheidungen treffen.
Aber auch, wenn man sich nur Marktbewertungen anschaut, staatliche Festlegungen also außer acht läßt, kann man sich vertun.
Die Ratio von derzeit ca. 1:85 liegt über dem Durchschnitt von ca. 1:61 (seit der Entkoppelung von US-Dollar und Gold). Mancher meint nun ableiten zu können, daß Silber also tendenziell gegenüber Gold teurer werden muß. Wir halten das für fragwürdig, weil der Durchschnitt nicht abbildet, was genau zur Preisbildung geführt hat. Bestände und Bedarfe ändern sich ständig. Frei sich am Markt bildende Preise spiegeln immer die Gegebenheiten zum Zeitpunkt der Preisbildung wider. Die können sich aber stark ändern, zumal, wenn sich Nutzungsarten ändern. Sowas wird weder in der Ratio noch in den Durchschnitten so abgebildet, daß man sinnvolle Vergleiche ziehen könnte. Die Ratio ist einfach nur eine Zahl. Es bedarf viel tiefergehender Analysen, um überhaupt eine Idee davon zu bekommen, wie Preise in der Vergangenheit zustande kamen und sich in der Zukunft entwickeln könnten. Und selbst dann kann man gewaltig daneben liegen.
Taugt also die Gold-Silber-Ratio nichts? Soweit würden wir nicht gehen. Sie kann ein guter Ausgangspunkt für umfassende Analysen von Beständen und Bedarfen, geopolitischen Entwicklungen usw. zu einzelnen Zeitpunkten der Geschichte sein. So kann man die Gegebenheiten miteinander vergleichen und eventuell Parallelen von der Vergangenheit zu derzeitigen und eventuell kommenden Ereignissen ziehen.
Einfach nur die Ratio als Beweis dafür zu nehmen, daß Gold und Silber günstig oder teuer seien, ist unserer Meinung nach hingegen zu kurz gesprungen.
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