29/03/2026
Zum Abschluss meines Reiseberichts ein absolutes Highlight: meine Familie und ich fahren schon seit Jahren nach Rügen und immer steht auch eine Wanderung an der Kreideküste mit auf dem Programm.
Ich gebe zu, dass ich bei jedem Ausflug auch immer die Hoffnung hatte mal etwas außergewöhnliches zu finden. Aber bislang durfte ich mich mit dem bekannten „Kleinkram“ begnügen. Um den Kindern spannende Einblicke in die Vergangenheit zu ermöglichen, dafür hat es dennoch immer gereicht.
Doch dieses Mal sollte es anders kommen: wir machen gern einen Ausflug nach Sassnitz, weil es an der Promenade - in top Reichweite zum öffentlichen Parkplatz - eine tolle Konditorei gibt, bei der man sich für die bevorstehende Wanderung bei bestem Blick über die Ostsee stärken kann.
Von da aus geht es für uns dann gen Nord-Osten an der Küste entlang zur Piratenschlucht und dort durch den Wald zurück zum Parkplatz oder noch ein Stück weiter, bis zum aktuellen Kreideabbruch.
Bei unserer ersten Tour hatten wir von dem Abbruch noch nichts gehört, deswegen wanderten wir gemächlich die Strecke bis zur Piratenschlucht. Man sah am Weg entlang der Kreidefelsen noch relativ viele frische Brocken, die über den Winter aus der Wand gefallen waren. Ich suche primär nach Seeigeln und dachte mir: die sind rund, rollen gut, vermutlich werden sie dann wohl bis an den untersten Rand der Kreidefelsen gerollt sein. Entsprechend suchte ich in diesem Bereich besonders aufmerksam.
Und irgendwann blieb mein Blick an einem seltsam geformten Kreidematschbrocken hängen. Vielleicht so groß wie ein Hühnerei. Er fiel mir auf, weil er mittig eine kreisrunde Vertiefung aufwies. Bevor ich ein insitu-Foto aufnehmen konnte, hatte ich das Stück schon in der Hand. Ich war mir relativ sicher, dass es ein Seeigel sein müsste, aber vollkommen unsicher in welchem Erhaltungszustand. Erst nach gründlicher Inspektion konnte ich an einer winzigen Stelle Stachelwarzen in Schalenerhaltung erkennen. Ihr glaubt gar nicht, wieviel Adrenalin plötzlich in meinen Körper schoss: Ein Seeigel, ein regulärer sogar und in Schalenerhaltung. Natürlich wollte ich wissen, wie vollständig die Erhaltung war, deswegen fand eine erste Reinigung direkt im Ostseewasser statt.
Ihr seht einige Bilder von der Fundregion, vom Fundzustand und nach der ersten und zweiten Reinigung. Außerdem auch vom aktuellen Küstenabbruch, den wir einige Tage später besucht haben. Dort konnten wir einige Belemniten, Muscheln, Brachiopoden und diverse Abdrücke, Schalenreste und zerbröselte Seeigel finden.
Wenn ich das richtig einordne, habe ich einen toll erhaltenen Stereocidaris pistillum mit Sekundärstacheln gefunden. Ich freue mich riesig darüber.
(Ein Video zum Seeigel gibt es hier im ersten Kommentar)