11/10/2026
Zwei Farben am Anfang, mehr nicht: Titanweiß und Umbra natur.
Bevor in einem Gesicht die erste Hautfarbe auftaucht, steht mit diesen beiden Tönen schon alles da, der Blick, die Form der Wange, die Schatten unter dem Kinn, und erst danach kommt die Farbe darüber.
Im Prinzip sind es am Anfang also zwei Farben, und dann arbeite ich mit acht Farben weiter.
Neu ist diese Arbeitsweise übrigens nicht. Die flämischen Maler um Jan van Eyck haben ihre Bilder schon im 15. Jahrhundert in Schichten aufgebaut, erst Hell und Dunkel, dann darüber die Farbe in dünnen Lasuren. Eine Untermalung nur in Grautönen heißt Grisaille, eine in Brauntönen Brunaille.
Umbra natur hat dabei einen ganz praktischen Vorteil: Das Pigment ist eine Erde, die Manganoxid enthält, und das lässt Ölfarbe deutlich schneller trocknen als die meisten anderen Farben.
Wenn du das nächste Mal im Museum vor einem alten Porträt stehst, schau mal genau in die Schatten am Hals oder an der Schläfe. Da, wo die Farbe dünn ist, schimmert oft noch die Untermalung durch.
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