27/07/2026
In stillem Gedenken
Nachruf auf Gerhard Schaub
Die Musikwelt, das Kasseler Handwerk und alle musikalischen Menschen in Nordhessen trauern um Gerhard Schaub, der am 06.07.2026 nach kurzer schwerer Krankheit verstorben ist. Allen, die je mit der Kunstwerkstätte für Holz- und Blechblasinstrumente Gustav Mollenhauer & Söhne KG in der Kasseler Kohlenstraße zu tun hatten, wird er für immer im Herzen bleiben. Seine humorvolle und liebenswürdige Art nahmen einem sofort die Sorge, dass das Problem mit der Klarinette oder einem anderen liebgewonnenen Instrument eventuell nicht lösbar sein könnte.
Geboren wurde Gerhard Schaub am 19.08.1945 in Elgershausen, wo er auch die Schule besuchte. Von 1960 bis 1963 absolvierte er dann eine Ausbildung zum Holzblasinstrumentenmacher und legte später die Meisterprüfung ab. Er wurde zur führenden Figur im Betrieb Gustav Mollenhauer & Söhne, den sein Vater 1952 von der Gründerfamilie übernommen hatte. Diese Firma war 1864 von dem aus Fulda stammenden Instrumentenmacher Gustav Mollenhauer in Kassel gegründet worden. Als dessen Enkel Hans Mollenhauer kinderlos blieb, legte er die Geschicke des Familienbetriebs in die Hände seines treuen Meisters Karl Schaub, Gerhards Vater. In den folgenden Jahrzehnten trugen Karl und später auch sein Sohn Gerhard maßgeblich dazu bei, dass die Firma ihren Ruhm auf der ganzen Welt wahren und ausbauen konnte. Von den in Kassel gebauten Holzblasinstrumenten haben insbesondere die Fagotte und Kontrafagotte einen exzellenten Ruf, der weltweit verbreitet ist. Sie werden u.a. an der Mailänder Scala, im Boston Symphony Orchestra oder im Londoner BBC Orchestra gespielt.
Inzwischen arbeitet die ganze Familie dabei mit, die Musiker*innen der Welt mit ihren Instrumenten glücklich zu machen. Gerhard Schaub hatte 1968 seine Elfriede geheiratet, die ebenfalls zu einer Seele des Betriebs wurde. 1969 und 1978 kamen die Kinder Tino und Bianca, die inzwischen gemeinsam mit den Enkeln Leo und Milan sowie Tinos Ehefrau Katja das Herz des Familienbetriebs ausmachen, Tino, Leo und Milan als Instrumentenmacher. Während viele Gleichaltrige sich längst in den Ruhestand zurückgezogen hatten, kam Gerhard Schaub noch bis kurz vor seinem Tod jeden Tag in seinen Betrieb und arbeitete fleißig mit. Die Begeisterung für sein Handwerk war ihm dabei stets anzumerken. „Jeder Tag bietet eine neue Herausforderung“, sagte er mir einmal. Trotzdem fand er auch noch die Zeit, viel mit der kleinen Enkeltochter Lilia zu spielen. Er war die gute Seele an der Kohlenstraße und er wird mir bei jedem meiner hoffentlich noch vielen Besuche dort fehlen. Aber sein Geist wird diesen Ort auch weiterhin beseelen und es ist mir ein großer Trost, dass sein Sohn und seine Enkel sein wundervolles Werk weiterführen.
Verfasst von Wolfram Boder
Foto: Andreas Weber, Kassel