27/05/2019
Was unterscheidet eine Gärtnerei von einem Pflanzenhandel oder einem Onlineshop für Computerteile?
Der Computerhändler hat seine Ware im Regal liegen. Dort staubt sie schlimmstenfalls ein, aber mehr kann nicht passieren. Es reicht, wenn er seinen Shop so einstellt, dass ab einem bestimmten Lagerstand automatisch neue Ware nachgeordert wird. So kann man die Lieferzeiten sehr gut abschätzen und kurz halten.
Der Pflanzenhändler hat da schon mehr Arbeit, denn seine Ware verdirbt, wenn er sie nicht gießen und pflegen kann. Die meisten Händler haben ein festes System mit der Nachbestellung und schauen, dass sie ihren aktuellen Stand an Pflanzen möglichst klein halten. In der Regel bieten sie nur Massenware an, denn nur diese kann zuverlässig während der ganzen Saison nachgeordert werden.
Wir verkaufen auch Pflanzen, aber wir sind eine echte Gärtnerei. So gut wie jede Pflanze, die wir anbieten, haben wir auch selbst gezogen (Ausnahme machen patentierte Sorten aus den USA, die wir nicht vermehren dürfen). Wir halten einen Bestand an Mutterpflanzen, wir nehmen davon das Material für die Vermehrung, wir ziehen die Jungpflanzen über Monate heran, bekämpfen Schädlinge, und, und, und. Viele Sorten gibt es nur bei uns, wir können sie nicht von einer anderen Gärtnerei beziehen, wenn sie ausgehen.
Nicht alle Pflanzen werden zur gleichen Zeit versandfertig. Die tropischen Seerosen gibt es z.B. mit gutem Grund erst Ende Mai / Anfang Juni. Vorher ist es draußen zu kalt für sie, und der Kunde könnte mit zu früh gesendeter Ware nichts anfange. Zudem können wir nicht mitten im Winter damit beginnen diese Seerosen zu vermehren. Der Energieaufwand dafür würde ihren Preis in astronomische Höhe schreiben (übrigens achten wir darauf, dass wir in der Gärtnerei mehr Energie erzeugen als wir verbrauchen). Ähnlich sieht es mit tropischen Teichpflanzen aus.
Außer den tropischen Pflanzen wachsen fast alle unsere Pflanzen im Freiland und nicht im Gewächshaus. Das macht uns von der Witterung abhängig. Ist es kalt, wachsen die Pflanzen wenig oder gar nicht. Pflanzen aus dem Treibhaus sind dann natürlich schon groß und blühend, aber wenn man sie in den Garten setzt und der nächste Nachtfrost kommt, sind sie dahin. Aus diesem Grund werden bei uns manche Pflanzen in manchen Jahren später verstandfertig. Im Shop steht als Liefertermin ein langjähriges Mittel. Den tatsächlichen Liefertermin legt aber jedes Jahr die Natur fest.
Wer bei uns Pflanzen mit verschiedenen Pflanzzeiten bestellt und die Lieferungsart 'Gesamtlieferung' wählt, kann seine Pflanzen erst dann bekommen, wenn auch die letzte Pflanze aus seiner Lieferung versandfähig ist. Wer eine Sumpfdotterblume (lieferbar ab Ende März) in der Bestellung mit einer tropischen Seerose (lieferbar ab Ende Mai) kombiniert, bekommt seine Lieferung Ende Mai. Wer das anders haben möchte, kann auswählen dass der Auftrag in mehrere Teillieferungen zerlegt werden soll.
Wenn der Frühling beginnt, wollen natürlich alle ihre bestellten Pflanzen so schnell wie möglich haben. In jeder Gärtnerei gibt es deswegen im Frühling längere Lieferungszeiten. Da hilft es auch nicht mehr Mitarbeiter einzustellen, denn ersten müssen sich diese mit den Pflanzen auskennen, und zweitens möchte jeder Mitarbeiter verständlicherweise einen längerfristigen Arbeitsplatz haben. Heute 100 Personen einstellen, sie 10.000 Pakete packen lassen, und morgen wieder alle auf die Strafe setzen, geht einfach nicht. Für jeden Mitarbeiter muss genügend Arbeit da sein, am besten rund ums Jahr oder wenigstens für die komplette Saison.
In jeder Saison kommt der Moment, wo die Kommunikation mit dem Kunden droht alle anderen Arbeiten an den Rand zu schieben. Es geht harmlos an, es laufen die ersten Nachfragen nach Bestellungen ein. Dann bricht irgendwann die Telefon- und Maillawine los. Beim Telefonieren Pflanzen zu verpacken ist ziemlich schwierig. Zumindest macht es einen tendenziell wirklich nicht schneller. Als wir jemanden ans Telefon setzten, hat das nicht wirklich geholfen. Für jeden zweiten Anruf wurde ich dann von ihr vom Versand weg ans Telefon geholt, weil der Anrufer noch eine besondere Frage hatte.
Warum schreibe ich das alles? Weil wir in den letzten Tagen ein paar unfaire Bewertungen auf Google bekommen haben. Die Bewertungen dort kann man nicht richtigstellen oder sich dazu äußern. In allen Fällen ging es um Pflanzen, die laut Shop noch gar nicht lieferbar waren. Ja, wir sind langsam, ja wir haben Mühe Emails zu beantworten, aber sind eben ein kleiner Betrieb. Dafür bieten wir sehr ausgefallene Pflanzen aus eigener Vermehrung. Wir können bei den Versandzeiten nicht mithalten mit einem Shop, der in China gekaufte Computer anbietet. Wir können auch nicht mithalten mit einem Pflanzenhändler, der jede Woche neue Ware aus einer niederländischen Pflanzenfabrik bekommt.
Unfaire Bewertungen tun weh. In der Regel bewerten auch nur diejenigen, die unzufrieden sind. Wer zufrieden ist, behält das oft für sich. Gute Bewertungen kann man sich natürlich auch kaufen. Es gibt genügend Anbieter dafür im Internet. Das machen wir aber nicht.
Stattdessen bitten wir Sie, sich nochmal Gedanken zu machen wie die Arbeit in einer kleinen Gärtnerei abläuft, und ob man ihre Lieferzeiten mit denen eines Internetgiganten vergleichen kann. Wir bitten auch diejenigen, die mit uns zufrieden waren, das zu äußern, auf Google oder hier in Facebook oder wo auch immer. Die Gärtnerei ist ein hartes Geschäft, das niemanden reich macht. Wir betreiben sie, weil wir unsere Pflanzen lieben und die ausgefallenen Sorten weiter am Leben halten und verbreiten wollen. Massenware machen andere.