14/12/2013
as Restaurant „Silver Spurs“ im New Yorker Stadtteil Greenwich Village ist eigentlich nicht allzu bemerkenswert. Es ist ein klassischer amerikanischer Diner, schlicht eingerichtet, mit einer Speisekarte, die von Hot Dogs über Chicken Wings bis zu Dutzenden verschiedener Hamburger reicht. Aber an diesem Sonntagabend mag man bei einem Besuch im „Silver Spurs“ seinen Augen kaum trauen. In einer Ecke des Lokals sitzen knapp zwei Dutzend Gäste, die munter vor sich hin qualmen. Es ist wie eine Szene aus längst vergangener Zeit – vor dem Rauchverbot in Restaurants, das es in New York seit mehr als zehn Jahren gibt. Die Gäste rauchen, als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre, und sie bleiben unbehelligt. Niemand scheint sich daran zu stören. Freilich genießt die Gruppe keine gewöhnlichen Glimmstengel, sondern tabakfreie elektronische Zi******en. Es ist das monatliche Treffen des „New York City Va**rs Club“, in dem sich Fans von E-Zi******en zusammengetan haben. Die meisten von ihnen verstehen sich nicht als Raucher, sondern als „Dampfer“ („Va**rs“). Fast alle sagen, die batteriebetriebenen E-Zi******en hätten ihnen geholfen, das Rauchen gewöhnlicher Zi******en aufzugeben.
Zi******en sind in vielen Teilen der Welt zu einem gesellschaftlich geächteten Produkt geworden. Nun aber schicken sich die elektronischen Varianten an, ein Comeback des Rauchens in anderer Form einzuläuten. E-Zi******en geben ihren Nutzern Nikotin in Form einer verdampften Flüssigkeit. Was sie im Vergleich zu gewöhnlichen Tabakzigaretten nicht haben, sind Teer und sonstige schädliche Stoffe, die als krebserregend gelten. Auch verursachen sie nicht den typischen und von vielen als unangenehm empfundenen Zi******engeruch, und sie sind bislang deutlich billiger.
Auf Erfolgskurs in New York
All das macht E-Zi******en nach Ansicht mancher Analysten so bestechend, dass sie den Tabakmarkt auf den Kopf stellen könnten. Bonnie Herzog von der Bank Wells Fargo meint, dass E-Zi******en im Jahr 2021 in den Vereinigten Staaten gemessen am Umsatz reguläre Zi******en überholen werden. Das ist eine kühne Prognose, denn im Moment sind E-Zi******en noch ein vergleichsweise überschaubarer, wenn auch wachstumsstarker Markt. Herzog erwartet, dass sich der Umsatz mit E-Zi******en in Amerika in diesem Jahr von 500 Millionen auf 1,4Milliarden Dollar fast verdreifacht, für konventionelle Zi******en sagt sie 28,7 Milliarden Dollar voraus.
In New York ist die wachsende Beliebtheit des „Dampfens“ an der steigenden Zahl von Läden abzulesen, die sich ausschließlich auf E-Zi******en spezialisieren. Zum Beispiel die „Vapor Lounge New York“, die es seit ein paar Monaten im Brooklyner Trendviertel Williamsburg gibt. Der Laden gehört Ilona Orshansky, die sich selbst als „lebendes Beispiel“ dafür bezeichnet, dass E-Zi******en helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören. „Ich finde Zi******en heute abstoßend,“ sagt Orshansky, die nach eigenem Bekunden bis vor neun Monaten eine Schachtel am Tag geraucht hat. Spike Babaian, ebenfalls eine frühere Raucherin mit einem Tageskonsum von zwei Schachteln, hat in diesem Jahr schon ihr zweites Geschäft für E-Zi******en mit dem Namen „Vape NY“ aufgemacht. Der neue Standort an der Lower East Side in Manhattan bringt heute jeden Tag einen Umsatz von 2400 Dollar ein. Als Babaian vor zwei Jahren ihr erstes Geschäft eröffnet hat, dauerte es noch einen ganzen Monat, bis 1200 Dollar in die Kasse kamen.
„Rauchen ist schon lange nicht mehr glamourös“
E-Zi******en gibt es in sehr unterschiedlichen Formen, sie lassen sich grob in zwei Kategorien und auch zwei Denkschulen einteilen. Auf der einen Seite gibt es die Produkte, die regulären Zi******en ähnlich sehen und ein äußerlich möglichst mit dem Rauchen vergleichbares Erlebnis liefern sollen. Diese E-Zi******en sind schlank, bei vielen Modellen sorgt eine integrierte LED-Lampe dafür, dass die Spitze während des Inhalierens leuchtet. Die zweite Gruppe von E-Zi******en erinnert im Aussehen eher an dicke Füllfederhalter. Bei ihnen kann die nikotinhaltige Flüssigkeit immer wieder nachgefüllt werden. Diese Flüssigkeiten gibt es in verschiedenen Nikotindosierungen und in etlichen Geschmacksrichtungen, von Minze über Kirsche bis hin zu Käsekuchen. Orshanky und Babaian verkaufen in ihren Läden ausschließlich diese nachfüllbaren E-Zi******en. Sie sagen, nur diese Varianten könnten beim Inhalieren ein ähnliches Gefühl im Hals liefern, wie es von Rauchern gewöhnlicher Zi******en geschätzt wird. Sie halten es auch für einen Pluspunkt, sich mit ihren Produkten optisch abzuheben. „Rauchen ist schon lange nicht mehr glamourös. Warum sollte ich eine E-Zigarette wollen, die wie eine normale Zigarette aussieht?“, sagt Orshansky. Auch beim Treffen des „Va**rs Club“ sind nur diese nachfüllbaren Verdampfer zu sehen, manche haben eine ganze Sammlung dabei.