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Die Lüge der modernen Kunst, das Schweigen der Kritiker und die Komplizenschaft der Institutionen gegen den guten Geschm...
23/07/2026

Die Lüge der modernen Kunst, das Schweigen der Kritiker und die Komplizenschaft der Institutionen gegen den guten Geschmack

Von Assem Alrubeiy (bildender Künstler und Kunstkritiker)

Dieser Artikel richtet sich nicht an die Künstler selbst, sondern an die Rezipienten und die breite Öffentlichkeit.

Um direkt zum Kern des Themas zu kommen und aufzuzeigen, wie sich ein Teil der modernen Kunst in eine „Lüge“ verwandelt hat – eine Lüge, an die wir glauben, weil frühere Generationen sie uns vorgelebt haben –, wollen wir zunächst einige grundlegende künstlerische Konzepte auf einfache Weise erläutern.

Die bildende Kunst ist weder ein komplexes Rätsel noch besteht sie nur aus Bildern, die stumm an Museumswänden hängen. Sie ist vielmehr ein Mittel, um Gefühle, Ideen oder die Realität mithilfe von Farben, Formen und Linien auszudrücken. Sie wird „bildend“ genannt, weil der Künstler das Material – sei es Farbe auf Leinwand, Ton oder Stein – formt, um etwas völlig Neues zu erschaffen.

Stellen Sie sich die bildende Kunst wie eine Sprache vor, in der jede Kunstrichtung lediglich einen bestimmten Dialekt darstellt. Wir müssen nicht alle Sprachen der Welt beherrschen, um sie zu genießen. Deshalb neigt der Betrachter meist zu jener Kunstrichtung, die er versteht und emotional nachvollziehen kann.

Ein kurzer Rundgang durch die bekanntesten Kunstströmungen
Der Realismus (Eine Kamera mit Pinsel): Gibt die Natur und das alltägliche Leben genau so wieder, wie sie sind – ohne Verschönerung. Wenn Sie ein Porträt oder eine Landschaft sehen, die wie eine präzise Fotografie wirkt, stehen Sie vor realistischer Kunst, deren Ziel die Dokumentation der Wahrheit ist.

Der Impressionismus (Das Spiel von Licht und Moment): Hier geht es dem Künstler nicht mehr um feine Details, sondern darum, den flüchtigen Eindruck des Momentanen und die Wirkung des Lichts einzufangen. Die Pinselstriche sind schnell: Aus der Nähe wirken sie wie bloße Farbkleckse, doch treten Sie zwei Schritte zurück, fügt Ihr Auge das Gesamtbild zusammen. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Claude Monet und Vincent van Gogh.

Der Expressionismus (Gefühle an erster Stelle): Der Künstler versucht hier nicht, die äußere Welt abzubilden, sondern seine inneren Emotionen (Angst, Trauer, Freude, Sorge) auf die Leinwand zu projizieren. Die Farben mögen seltsam und die Gesichter leicht verzerrt sein, denn das Ziel ist das Entfachen von Emotionen, nicht die rein visuelle Schönheit. Das bekannteste Beispiel ist „Der Schrei“ von Edvard Munch.

Der Kubismus (Die Dekonstruktion der Welt): Das Betrachten eines Objekts aus allen Blickwinkeln gleichzeitig und dessen Zerlegung in geometrische Formen. Wenn der Künstler ein Gesicht malen möchte, zeichnet er die Nase vielleicht von der Seite und die Augen von vorne. Einer der berühmtesten Vertreter ist der spanische Künstler Pablo Picasso.

(An diesem Punkt begann meiner Meinung nach als Kunstkritiker die Lüge der modernen Kunst.)

Der Surrealismus (Die Welt der Träume): Das Malen, inspiriert von Träumen und dem Unterbewusstsein. Die Elemente sind präzise gezeichnet, aber ihre Zusammenstellung ist völlig unlogisch – wie schmelzende Uhren auf Baumästen. Der berühmteste Vertreter ist Salvador Dalí.

Die abstrakte Kunst (Visuelle Musik): Das vollständige Aufgeben der Darstellung von allem, was aus der Realität bekannt ist – keine Gesichter, keine Häuser, keine Bäume, sondern reine Linien, Formen und Farben. Es ist genau wie Musik: Wenn Sie ein Musikstück ohne Text hören, genießen Sie die Melodie, die Ihnen Ruhe oder Begeisterung vermittelt. Abstraktion ist visuelle Musik. Und an diesem Punkt wurde die Lüge offiziell und vermarktbar.

Wenn eine Banane zum Kunstwerk wird
Im Jahr 2019 erlebte die Kunstwelt einen Vorfall, der eine Welle des Spotts auslöste: Eine mit Klebeband an einer Wand befestigte Banane wurde auf einer berühmten Kunstmesse für über 120.000 US-Dollar verkauft.

Dies war kein beiläufiger Scherz, sondern eine eklatante Verkörperung der Realität, in der die zeitgenössische Kunst angekommen ist. Es veranlasste viele zu der ehrlichen Frage: Sitzen wir wirklich dem Mythos der „Lüge der modernen Kunst“ auf?

Die wahre Frage heute betrifft nicht die Erneuerung der Ausdrucksmittel, sondern die Krise der handwerklichen und philosophischen Maßstäbe, die die Szene beherrscht. Früher war das wichtigste Kriterium das handwerkliche Können und die Meisterschaft mit dem Ziel, Schönheit zu erschaffen. Ein wahrer abstrakter Künstler wie Kandinsky oder Mondrian verbrachte jahrelang Zeit damit, zuerst die akademische Malerei zu meistern, bevor er zur Vereinfachung der Formen überging.

Heute jedoch hat sich die Bewertung dahin verschoben, wer die skurrilste und schockierendste Idee präsentiert. Dies hat Hochstaplern Tür und Tor geöffnet. Sie präsentieren belanglose Werke völlig ohne handwerkliches Können – wie das Aufstellen eines Wassereimers in der Mitte des Raumes oder das willkürliche Verquetschen von Farben innerhalb weniger Minuten unter dem Deckmantel der „Konzeptkunst“. Dabei nutzen sie die Abstraktion und die Anonymität als Schleier, um ihr mangelndes Können zu verbergen.

Der Kunsthandel und die Macht des Kapitals
Die Bewertung eines Gemäldes unterliegt nicht mehr seinem ästhetischen Wert oder seiner emotionalen Wirkung, sondern wird von Finanzspekulationen und dem kommerziellen Kunstmarkt dominiert.

Minderwertige Werke werden vermarktet und zu astronomischen Preisen verkauft, weil sie zu einem Mittel der Vermögenssicherung oder der Steuervermeidung geworden sind. Wenn Auktionshäuser und Galeriebesitzer sich darauf einigen, einem nebulösen Werk einen immensen finanziellen Wert zuzuschreiben, wird ein künstlicher Wert geschaffen, der keinerlei Bezug zur Qualität hat.

Die intellektuelle Einschüchterung des Betrachters
Diese Einschüchterung spielt eine große Rolle dabei, echten Kunstwerken die Glaubwürdigkeit zu rauben. Wenn ein Betrachter ehrlich vor einem Werk steht, das nichts als zufällige Flecken zeigt, und sagt: „Ich sehe hier weder Kunst noch Können“, wird er herablassend überfahren mit Aussagen wie: „Du besitzt einfach nicht die nötige Bildung, um zeitgenössische Kunst zu verstehen.“

Diese Einschüchterung erinnert stark an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, in dem alle so tun, als würden sie die Prachtgewänder sehen – aus Angst, ihre eigene Unwissenheit zu offenbaren –, bis ein Kind laut ausruft: „Aber der König ist doch nackt!“

Das Schweigen der Kritiker und die Komplizenschaft der Museen
Das ist der gefährlichste Aspekt der gesamten Entwicklung. Eigentlich war es die Aufgabe von Museen, Kunstkritikern und akademischen Institutionen, als Hüter und objektive Bewerter von Qualität zu fungieren.

Anstatt jedoch schützend vor der Kunst zu stehen, haben sich viele Kritiker in unverständliche, pseudophilosophische Sprachgebäude geflüchtet, um Belangloses hochzujubeln. Museen wiederum stellen oft das Spektakuläre und den Marktwert über das handwerkliche und inhaltliche Niveau. So wurden die einstigen Kontrollinstanzen zu Komplizen eines Marktes, der Quantität und Schockwert über echte Hingabe stellt.

Wie gewinnen wir den Kompass der wahren Kunst zurück?
Unterscheidung zwischen echter Modernität und Anmaßung: Echte moderne Kunst besitzt Rhythmus, Balance und eine menschliche Vision, die die Seele berührt. Die Lüge hingegen stützt sich nur auf PR, vorübergehende Schockeffekte und das Verpacken von Leere in komplexe Fachbegriffe.

Das Vertrauen des Betrachters in seinen eigenen Geschmack: Kunst braucht – genau wie Musik oder gutes Essen – keinen hunderte Seiten langen Katalog, um Sie zu überzeugen. Wenn ein Kunstwerk Bände von Erklärungen benötigt, nur um zu beweisen, dass es Kunst ist, dann ist es keine. Es ist eine Lüge.

Unterstützung ehrlicher Künstler: Wiederherstellung der Wertschätzung für diejenigen, die studieren, hart an der Verfeinerung ihrer Fähigkeiten arbeiten und visuelle Erfahrungen bieten, die auf Ehrlichkeit, Anstrengung und Schönheit basieren.

Offene Konfrontation mit dem Treiben der Eindringlinge: Denen entgegentreten, die sich hinter dem Mantel der modernen Kunst verstecken, obwohl sie in Wahrheit nur Nutznießer sind. Sie haben die Unübersichtlichkeit der Szene ausgenutzt, um sich in das Heiligtum der Kunst einzuschleichen und ihr die Seele der Schönheit sowie die Authentizität des Könnens zu rauben.

Teilen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren mit:
Glauben Sie, dass die zeitgenössische Kunst ihre Maßstäbe endgültig verloren hat, oder ist Schönheit heute reine Ansichtssache geworden?

Der Weg nach Bagdad: Ein farbiges Zeugnis unter dunklen WolkenVon Assem AlrubeiyIm Jahr 2003, als meine Heimat unter der...
11/01/2026

Der Weg nach Bagdad: Ein farbiges Zeugnis unter dunklen Wolken
Von Assem Alrubeiy

Im Jahr 2003, als meine Heimat unter der Last schwerer Stunden stöhnte, besaß ich nichts als meinen Pinsel, um dieses emotionale Erdbeben auszudrücken. Ich erschuf mein Werk „Der Weg nach Bagdad“ als eine spirituelle Brücke, die mich mit den Meinen verbindet – ein Versuch, meinen stummen Schrei zu übersetzen, während ich das Geschehen aus der Ferne beobachtete, hin- und hergerissen zwischen Angst und bangem Warten.

In diesem Werk ist die Farbe Schwarz nicht bloß ein Pigment, sondern der Protagonist eines gewaltigen Dramas. Ich habe sie eingesetzt, um zwei extreme Gegensätze künstlerisch zu vereinen. Auf der einen Seite steht das Schwarz der Bedrohung, das im oberen Teil des Bildes in scharfen, spitzen Formationen erscheint. Wie dunkle Schatten ersticken diese Formen den Himmel der Stadt und legen ihre Alb traumhafte Schwere über die Köpfe der Unschuldigen. Dem gegenüber tritt an der Seite des Bildes eine Frau in ihrer schwarzen Abaya hervor. Sie ist eine lebendige Heraufbeschwörung meiner Mutter und ein Symbol für Standhaftigkeit, Beständigkeit und jene edle Trauer, die die Trümmer der Seele inmitten der äußeren Not zusammenhält.

Der rechte Teil des Gemäldes wird von der Gestalt eines hageren Menschen dominiert, der eine übermenschliche Anstrengung unternimmt, um andere zu retten und sie aus einem dunklen Schacht zu befreien. Die bewusste Entscheidung, ihn so hager darzustellen, verkörpert unsere menschliche Hilflosigkeit gegenüber gewaltigen Kräften. Er repräsentiert den Versuch, mit bloßer Brust jene zu schützen, die wir lieben, und uns an eine zerbrechliche Hoffnung zu klammern. Diese Hoffnung versucht, die gequälten Seelen zu jenem weißen Leerraum zu drängen, der als einziger Ausweg aus der Tiefe der Not erscheint.

Um diesen Schmerz greifbar zu machen, habe ich einen heftigen expressionistischen Stil gewählt. Die Gesichter stoßen einen kollektiven Schrei aus, während die warmen Farben Rot und Orange wie Spuren des Lebens inmitten der Asche leuchten. „Der Weg nach Bagdad“ ist somit mein künstlerisches Zeugnis für den Moment, in dem persönlicher Schmerz mit einer nationalen Tragödie verschmilzt und die Erinnerung aus dem Staub des Vergessens gerettet wird.

Dieses Werk ist mehr als nur ein Gemälde; es ist meine persönliche Reise zurück zum Ursprung und mein visuelles Gebet für eine Stadt, die von schweren Prüfungen heimgesucht wurde. Es ist der Schrei der Entschlossenheit, der in uns allen wohnt und der sich trotz aller Schwäche weigert, die anderen zurückzulassen. Es bleibt meine Botschaft an die Welt, das verbliebene Licht zu bewahren, damit der Mensch nicht ewig ein hagerer Kämpfer bleiben muss, der verzweifelt versucht, der Dunkelheit zu entkommen.

Bauhaus und das Erbe des Orients: Eine Analyse über den Einfluss des Samawa-Teppichs auf Walter GropiusIn meinem ersten ...
11/01/2026

Bauhaus und das Erbe des Orients: Eine Analyse über den Einfluss des Samawa-Teppichs auf Walter Gropius

In meinem ersten Artikel über das Bauhaus haben wir einen kurzen Überblick gegeben. Hier präsentiere ich nun eine objektive Analyse und eine Diskussionsgrundlage über die Idee der Bauhaus-Schule, die vom Architekten Walter Gropius 1919 in Deutschland gegründet wurde. Meine These lautet: Diese Idee oder dieser Stil existierte bereits, bevor Gropius ihn "entdeckte". Ich stelle die Frage zur Debatte: Handelt es sich hierbei um Diebstahl, Inspiration oder Beeinflussung?

Während meines Architekturstudiums in Deutschland bestand mein Projekt darin, das Wohnhaus von Walter Gropius in den USA neu zu entwerfen. Das Haus ist heute ein Museum für Architekturbegeisterte. Es ist im Bauhaus-Stil erbaut und enthält nach seinem Tod all seine persönlichen Gegenstände. Beim Durchsehen der Einrichtung, insbesondere im Schlafzimmer von Gropius, fiel mir ein Wandteppich aus der Stadt Samawa (oder Al-Khader) auf. Solche Teppiche (bekannt als Al-Izar) wurden von irakischen Frauen handgefertigt – ein Handwerk, das seit der sumerischen Ära über Generationen weitergegeben wurde.

Obwohl das Bauhaus eine eigene Weberei-Werkstatt hatte und Künstlerinnen wie Anni Albers oder Gunta Stölzl dort Pionierarbeit leisteten, stellt sich die Frage: Ist dieses Stück ein Original aus dem Irak oder eine im Bauhaus-Stil gefertigte Reproduktion nach irakischem Vorbild? Es gibt keine Belege dafür, dass Gropius physisch im Irak war, aber seine Verbindung zum Orient war intellektuell tief verwurzelt. Bereits 1910 schrieb er den Essay "Vom Wesen der unterschiedlichen Kunstwollen in Ost und West", in dem er den „altorientalischen Kunstwollen“ als klar, instinktiv und harmonisch pries – ein Modell für die spätere funktionale Architektur ohne unnötige Ornamente.

Analyse der Parallelen zwischen dem Samawa-Teppich und den Bauhaus-Prinzipien:

Abstraktion und Geometrie: Das Bauhaus gilt als Vorreiter für Simplizität und die Nutzung von Grundformen (Kreis, Quadrat, Dreieck). Diese Prinzipien verkörpert der Samawa-Teppich perfekt durch seine rein geometrischen, abstrakten Muster.

Primärfarben: Das Bauhaus ist bekannt für den Einsatz von Rot, Gelb und Blau. Im Samawa-Teppich spielen kräftiges Rot und Orange (als Ableitungen) eine zentrale Rolle, ergänzt durch kontrastierende Akzente.

Verschmelzung von Kunst und Handwerk: Ein Hauptziel des Bauhauses war die Aufhebung der Trennung zwischen freier Kunst und Handwerk. Der Samawa-Teppich ist das lebendige Beispiel für diese Symbiose; jedes Stück ist ein präzises künstlerisches Werk, das durch manuelle Arbeit entstand.

Der Teppich in Gropius' Schlafzimmer war kein Zufall. Es scheint, dass der Begründer des Bauhauses dieses Werk betrachtete und darin genau jene Philosophie fand, die er später als "modern" proklamierte. Die Tatsache, dass er diesen Teppich in seinem Exil in den USA bis zu seinem Lebensende behielt, deutet auf eine tiefe Wertschätzung hin.
War das Bauhaus also eine Neuerfindung oder eine Neuinterpretation eines jahrtausendealten Erbes aus Mesopotamien? Die Diskussion ist eröffnet.
Ein Artikel von Assem Alrubeiy

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