19/05/2026
Ich habe gestern wohl die für mich beste Lesung seit Jahren besucht. Judith Holofernes, die Frontfrau der Band „Wir sind Helden“, las gemeinsam mit der Schauspielerin Nora Tschirner aus ihrem neuen Buch „Hummelhirn“ im Ringlokschuppen in Bielefeld.
Ungewöhnlich an diesem Setting war, dass die Lesung zu zweit stattfand. Judith Holofernes leidet infolge einer Meningitis-Erkrankung an einer neurologischen Stimmstörung. Nora Tschirner, die auch das Hörbuch eingesprochen hat, unterstützt sie deshalb stimmlich auf ihrer Tour. Es war nicht nur eine Lesung, sondern zugleich eine schauspielerische und musikalische Zeitreise.
Zum Buch:
„Hummelhirn“ ist die Geschichte einer Anpassung – inklusive herzzerreißender und hochkomischer Fehlversuche. Mit Zartheit, Klarheit und einem großen Talent fürs Tragikomische blickt Judith Holofernes auf ihre Kindheit zurück. (…) Bevor sie mit Wir sind Helden Furore macht, ist Judith Holofernes ein komisches Kind. Eine Träumerin, die sich wie eine betrunkene Hummel durch die Welt bewegt. Was später als Neurodiversität bezeichnet wird, fällt im Berlin der wilden 1970er nicht weiter auf. Erst als die lesbische Mutter ins beschauliche Freiburg zieht, beginnt Judith, spektakulär anzuecken. Dabei möchte sie so gerne alles richtig machen…“
Mich hat dieser Abend durch Judith Holofernes und ihre Geschichte auch persönlich sehr berührt. Altersmäßig trennen uns nur zwei Jahre, und die Musik von „Wir sind Helden“ begleitete mich durch mein Erwachsenenleben. Viele der Rückblicke – Schule, erste Liebe, erste Partys, aber auch sehr ernste und gleichzeitig unfreiwillig komische Poesiealbum-Einträge – sorgten für zahlreiche emotionale Flashbacks.
Judith Holofernes schreibt aber auch über eine Zeit, in der es noch nicht selbstverständlich war, dass Frauen Frauen lieben, der Begriff „neurodivers“ noch nicht existierte und achtsame, rücksichtsvolle Pädagogik in Schulen oft fehlte.
Vielen Dank für diesen wundervollen Abend, die Zeitreise und die Perspektiven!