21/08/2026
Faszinierend, wie unterschiedlich Transformation wahrgenommen wird. Die Stadt Mainz arbeitet mit einem anerkannten Hamburger Planungsbüro an einem Konzept, das sich an Entwicklungen orientiert, die in vielen europäischen Städten längst erfolgreich umgesetzt werden. Die Niederlande und Dänemark waren Vorreiter, Frankreich, Italien und Österreich ziehen seit Jahren nach.
Und ganz wichtig: Hier setzt nicht irgendeine einzelne Person „ihr Ding“ durch. Hinter dieser Entwicklung steht ein demokratischer Prozess – mit politischen Beschlüssen, breiten Mehrheiten im Stadtrat und zusätzlichen Beteiligungsmöglichkeiten wie dem Bürgerforum, zu dem öffentlich eingeladen wurde. Da steht also sehr viel mehr dahinter als die Handvoll besonders lauter Stimmen, die sich anschließend in Facebook-Kommentaren gegenseitig hochschaukeln.
Genau das geht in der Debatte oft völlig unter: Lautstärke im Internet ist kein Ersatz für demokratische Mehrheiten. Wer besonders wütend kommentiert, repräsentiert damit noch lange nicht „die Mainzer“. Eine breite politische Mehrheit hat diesen Weg beschlossen, Bürgerinnen und Bürger konnten sich beteiligen, und jetzt wird umgesetzt.
Natürlich waren beim Bürgerforum keine 15 Prozent der Mainzer Bevölkerung. Aber Demokratie bedeutet auch, angebotene Beteiligungsmöglichkeiten wahrzunehmen – und nicht anschließend so zu tun, als hätte es sie nie gegeben.
Warum sollte ausgerechnet Mainz eine Besonderheit sein, in der wir Verkehrsplanung der 1970er-Jahre auf Dauer fortschreiben müssen?
Es geht nicht um Hass auf Autos. Es geht darum, den verschiedenen Verkehrsmitteln angemessen Raum zu geben: Auto, Fahrrad, ÖPNV und Fußverkehr. Wenn über Jahrzehnte ein Verkehrsmittel überproportional viel öffentlichen Raum bekommen hat, bedeutet eine neue Balance zwangsläufig: etwas weniger Platz fürs Auto. Das ist kein „Krieg“, sondern Transformation.
Und die Behauptung, weniger Autoverkehr bedeute automatisch weniger Umsatz für den Einzelhandel, ist gleich doppelt falsch: Erstens konsumieren Menschen und keine Autos. Zweitens zeigen genügend europäische Städte, dass attraktive, gut erreichbare Innenstädte gerade dann funktionieren können, wenn sie nicht überwiegend als Verkehrs- und Parkraum betrachtet werden.
Wir freuen uns deshalb nicht nur darüber, dass endlich etwas umgesetzt wird. Wir freuen uns auch darüber, dass eine demokratisch beschlossene Entwicklung gegen den Lärm einer kleinen, aber sehr lautstarken Internetblase tatsächlich durchgehalten wird.
Verkehrscheck in der Mainzer Innenstadt im Video: Unsere Reporter geben zu den Aussagen von Dezernentin Steinkrüger ihre persönliche Meinung ab und diskutieren die Auswirkungen.