11/03/2026
Zur Debatte um den Deutschen Buchhandlungspreis 2025
Nachdem die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises abgesagt worden ist und die Dithmarscher Landeszeitung unsere Haltung abgefragt hat, kommt hier unsere Stellungnahme:
• Der Peter Panter Buchladen erklärt sich ausdrücklich solidarisch mit den Kolleginnen der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen: Golden Shop indepemdent book and record shop in Bremen, Buchladen Rote Straße in Göttingen und Buchladen zur schwankenden Weltkugel in Berlin.
• Wir fordern eine Rücknahme der Entscheidung und eine Preisverleihung an die drei Buchläden.
• Wir fordern den sofortigen Rücktritt oder die sofortige Entlassung des Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Staatsminister Wolfram Weimer.
Der Deutsche Buchhandlungspreis ist eine Auszeichnung der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland für unabhängige inhabergeführte Buchhandlungen mit Sitz in Deutschland. Ausgezeichnet werden insbesondere kleine Buchhandlungen, „die ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, die innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren“.
Seit 2015 wurden jährlich 118 Buchhandlungen ausgezeichnet. Die auszuzeichnenden Buchhandlungen werden von einer durch den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien berufenen Jury ausgewählt.
Im Vorfeld der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 berichtete die Süddeutsche Zeitung am 3. März über die Entscheidung des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer, erstmalig in der Geschichte des Preises nicht der Entscheidung der Jury zu folgen. Weimer wolle die Verleihung an drei Buchhandlungen verweigern, die von der Jury ausgewählt wurden und die auch zuvor schon mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden waren. Weimer begründete dies mit dem Vorliegen von „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ gegen die Buchhandlungen, die er im Wege des umstrittenen sogenannten Haber-Verfahrens bei Anfragen an den Verfassungsschutz erlangt habe. Nach diesem Verfahren darf der Verfassungsschutz Bundesbehörden auf Anfrage mitteilen, ob Erkenntnisse vorliegen. Welche Erkenntnisse vorliegen darf er nicht sagen.
Die beiden Vorgängerinnen von Wolfram Weimer haben auf diese Anfragen verzichtet (Monika Grütters, CDU von 2015-2021 und Claudia Roth, Bündnis90/Die Grünen von 2021-2025).
Dieses Vorgehen von Wolfram Weimer löste eine Welle der Empörung im Buchhandel und auch im Feuilleton aus. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erklärte „Die Würdigung der kulturellen Leistung einer Buchhandlung von einer etwaigen politischen Ausrichtung ihres Sortiments abhängig zu machen, lehnen wir grundsätzlich ab.“ Der Landesverband Nord ergänzt: „Vor diesem Hintergrund fordert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Nord eine Rücknahme der Entscheidung und die Verleihung des Buchhandlungspreises an alle drei Nominierten… Die Begründung für diese beispiellose, die Freiheit des verbreitenden Buchhandels nicht respektierende Maßnahme muss in Gänze offengelegt werden, da sonst der Buchhandelspreis einen nicht wieder gut zu machenden Schaden erleiden wird.“ Die European and International Booksellers Federation (EIBF) fordert eine Rücknahme der Entscheidung.
In der überregionalen Presse (vom „Neuen Deutschland“ bis zu „Die Welt“) ist die Haltung negativ.
Zur Absage der Preisverleihung schreibt das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels:
‚Die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 sollte am 19. März 2026 nach langer Wartepause erstmals im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfinden, "in einem konzentrierten, würdevollen Festakt", wie der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) mitteilte. Konzentriert bedeutet, dass statt wie in den Vorjahren kein großer Festabend geplant war, sondern 115 Buchhandlungen in einer Stunde kurz vor Messeschluss ihre Urkunden erhalten sollten – inklusive Sektempfang. Doch auch dazu wird es nicht kommen.
"Nun droht (…) die Debatte um die Nicht-Berücksichtigung von drei Juryvorschlägen den eigentlichen Sinn der Veranstaltung – nämlich die Auszeichnung und Ehrung unabhängiger Buchhandlungen – zunehmend zu überlagern. Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheint in einem solchen Kontext kaum noch möglich. Daher sagen wir die diesjährige Veranstaltung zum Buchhandlungspreis am 19. März 2026 ab", teilt das BKM am 10.3. mit.
Die ausgewählten Buchhandlungen sollen "Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten". Die Bekanntgabe der Hauptpreise wird laut BKM in gesonderter Form erfolgen.
Damit entzieht sich Weimer einer höchst blamablen Situation: Kurz zuvor alle nominierten Buchhandlungen sich mit den von der Liste der Preisträger gestrichenen linken Buchläden solidarisch erklärt – in Leipzig war geplant, ein Zeichen zu setzen. Sieht so aus, als wolle Weimer sich diesem Gegendruck nicht aussetzen.
Stattdessen kündigt das BKM an: "zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Diskussion im Rahmen einer öffentlichen Dialogveranstaltung über Kunst- und Meinungsfreiheit und die Bedeutung staatlich finanzierter Kunstpreise einladen" zu wollen.‘