20/08/2026
Wenn der Blumentopf zum Bürokratiefall wird 🌱🪴
Nachhaltigkeit und Recycling? Unbedingt.
Aber manchmal fragt man sich als kleiner Gärtner schon, ob der bürokratische Aufwand noch im Verhältnis zum eigentlichen Ziel steht.
Ein schönes Beispiel ist die neue Verpackungsregulierung und unser ganz normaler Kunststoff-Pflanztopf.
Zunächst müssen wir unterscheiden:
Ist der Topf Bestandteil der Pflanze, weil diese ohne ihn nicht sinnvoll verwendet werden kann? Dann ist er unter Umständen keine Verpackung.
Oder wurde der Topf lediglich für die Kultur und den Transport der Pflanze benötigt und wird beim Einpflanzen nicht mehr gebraucht? Dann kann er Verpackung sein.
Damit fängt die Arbeit aber erst an.
Von unseren eingesetzten Töpfen müssen wir wiederum diejenigen herausrechnen, die unseren Betrieb gar nicht verlassen: Pflanzen werden umgetopft, in Schalen und Balkonkästen weiterverarbeitet oder von uns selbst ausgepflanzt.
Und dann wird es richtig interessant:
Wir bekommen Pflanztöpfe von Großkunden zurück und führen sie erneut unserem betrieblichen Kreislauf zu. Auch viele Privatkunden bringen uns gebrauchte Töpfe zurück, die wir wiederverwenden.
Darunter können wiederum Töpfe sein, die ursprünglich gar nicht als Verpackung galten – beispielsweise weil sie Bestandteil einer Topfpflanze waren – und die bei einer späteren Verwendung möglicherweise doch eine andere Funktion erfüllen.
Das alles muss ein kleiner Betrieb unterscheiden, erfassen, zuordnen und dokumentieren.
Dabei bestehen sämtliche von uns eingesetzten Kunststofftöpfe bereits aus 100 % recyceltem Kunststoff und sind nach ihrer Verwendung wiederum zu 100 % recycelbar. Viele davon verwenden wir sogar mehrfach.
Bei unserem Einwickelpapier und unseren Folien stellen sich ähnliche Abgrenzungsfragen.
Mein persönliches Highlight kommt allerdings aus unserer Floristik:
Wenn wir Kunststoffbast zum Binden oder Dekorieren unserer Blumensträuße einsetzen, wird es richtig spannend. Dann dürfen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie viele Gramm Kunststoffbast wir als Erstinverkehrbringer tatsächlich in Verkehr gebracht haben. 🫣
Da steht man dann als Gärtner zwischen Gewächshaus, Kunden, Pflanzenproduktion und Blumenladen – und beschäftigt sich plötzlich mit der grammgenauen Verpackungsbuchhaltung eines Stückchens Bast.
Ich bin ausdrücklich für Recycling, Ressourcenschonung und funktionierende Kreisläufe.
Aber vielleicht sollte eine sinnvolle Umweltpolitik auch berücksichtigen, ob ein kleiner Betrieb seine Zeit mit tatsächlicher Nachhaltigkeit verbringt – oder zunehmend damit, Nachhaltigkeit zu wiegen, zu sortieren, abzugrenzen und zu dokumentieren. 🌱