13/06/2026
Here we go... Part 2 von "Wann passt ein Sattel?" mit dem Thema "Was ist am Pferd festzustellen?"
Es gibt im Grunde zwei Bereiche. Zum einen den, der mit der sogennanten "Fingerprobe" überprüft werden kann, also da wo man wortwörtlich mit den Fingern hinkommen kann.
Und den Bereich, im mittleren Teil des Sattels, der ohne ein Hilfsmittel nicht überprüft werden kann, ohne die Lage des Sattels zu manipulieren. Bedeutet, schiebe ich meine Finger/Hand in diesem Bereich seitlich unter den Sattel, h**e ich diesen damit immer ein Stück vom Rücken weg. Eine wirkliche Kontrolle wird so schwierig.
Die Ausnahme bilden hier (die oft sehr breiten) Pferde ohne Widerrist, denn da könnt ihr wunderbar mit der Hand unter der Fork durch unter den Sattel gelangen. Aber gehen wir mal davon aus, dass es ein "normales" Pferd ist und über einen Widerrist verfügt.
Heute schauen wir uns das an, was ohne Hilfsmittel überprüft werden kann und beginnen an der Schulter:
Wir wollen hauptsächlich erstmal feststellen, ob die Winkelung des Sattelbaums korrekt ist. Zur richtigen Weite kommen wir später.
Dazu legt ihr den Sattel ohne Unterlage und ungegurtet aufs Pferd, übt mit der einen Hand leichten Druck aufs Horn aus, mit der anderen fahrt ihr mit den Fingern von oben nach unten unter den Skirts durch. Die Frage ist, können die Finger frei durchgleiten oder werden sie irgendwo gequetscht? (Bild 1)
Ist das Gefühl überall gleichmäßig und ihr kommt locker von oben nach unten, dann ist das durchaus ein gutes Zeichen, denn dann scheint die Winkelung schonmal zu passen.
Fühlt es sich oben enger und unten weiter an, dann ist die Winkelung des Baumes zu flach.
Ist es eher anders herum, also oben frei und unten eng, dann ist die Winkelung als zu steil zu bewerten. (Bild 2)
Für beide Varianten gilt: der Sattel passt nicht.
Ähnlich sieht es im Lendenwirbelbereich aus, wobei das Augenmerk hier auch auf der ausreichenden Freistellung liegt. Also nicht nur, passt die Winkelung vom Baum, sondern auch ob der Sattel im diesem Bereich genügend Platz lässt.
Auch hier wird mit der freien Hand etwas Druck auf das Cantle ausgeübt und die Finger fahren unter den Skirts her und sollten auch hier frei drunter her gleiten können, ohne irgendwo hängen zu bleiben.
Warum ist neben der korrekten Winkelung eine ausreichende Freistellung im diesem Bereich so wichtig?
Die Sattellage des Pferdes, also der Bereich des Rückens, der vom Sattel komplett belasetet werden kann, geht grob gesagt vom Schulterblattknorpel im vorderen Bereich, bis zum 18. Brustwirbel im hinteren Bereich. Ab diesem Punkt, sollte der Sattelbaum keinen starken Druck mehr auf den Rücken ausüben. (Bild 3)
Und ACHTUNG, es geht um den Sattelbaum, NICHT um die Skirts. Die dürfen ruhig länger ausfallen, weil sie bei korrekter Freistellung den Lendenwirbelbereich in der Regel nicht stark belasten werden.
Ihr merkt, wir sprechen bisher nur von Winkelung. Aber was ist denn mit der richtigen Weite? Tja... das ist so'n Ding, denn das ist schwierig zu formulieren. Was man klar sagen kann ist, lieber zu weit als zu eng. Aber irgendwann fängt auch der eher etwas zu weite Sattel dann an, auf die Schulter abzutauchen, was dann auch nicht gut ist. Da muss man wirklich ein bisschen ein Gespür für entwickeln.
Auf jeden Fall könnt ihr diese Sachen tatsächlich nur mit Reiter und in der Bewegung kontrollieren und ich würde es mal so formulieren: Wenn ihr in der Bewegung die Finger an der Schulter unter Sattel und Pad schieben könnt und ihr spürt einen leichten, gleichmäßigen Druck auf den Fingern und merkt aber auch das das Schulterblatt sich frei unter dem Sattel bewegen kann ohne irgendwo gegen zu stoßen, dann würde ich die Weite als passend einschätzen. Wenn ihr Probleme habt, die Hand da drunter zu bekommen, ist das nicht gut. Aber dann wäre zu klären, ob der Sattel tatsächlich zu eng oder zu weit ist, was sich recht ähnlich anfühlt.
Um das zu klären, wäre es wieder notwendig den Sattel ohne Pad aufs Pferd zu legen und sich die "Ausrichtung" des anzusehen. Heißt, ist er zu eng, liegt er vielleicht etwas bergauf und die Sitzfläche steigt nach vorne stark an. Ist er zu weit, taucht er vorne auf die Schulter und die Sitzfläche ist im vorderen Bereich fast waagerecht. Hier wird es auch so sein, dass der Sattel nach dem gurten und ohne Reiter hinten deutlich hoch kommt und wahrscheinlich besonders beim Leichttraben extrem wi**en wird. (Bild 5)
Das macht ihr dann natürlich auch am anderen Ende des Sattels. Auch hier solltet ihr in der Bewegung die Hand gut unter die Skirts bekommen und wenn überhaupt nur einen leichten und gleichmäßigen Druck spüren (je nach Dicke der Finger mal mehr, mal weniger.)
Und bitte... den Test macht ihr VOM BODEN aus! Das heißt, jemand anderes reitet euer Pferd und ihr "tastet euch ran". Macht das nicht vom Sattel aus, denn um mit den den Fingern da vorne drunter zu kommen, müsst ihr euch unweigerlich nach vorne lehnen, was die Gewichtsverteilung verändern und das Ergebnis verfälschen wird. Und natürlich nur im Schritt, alles andere könnte schmerzlich enden.
Somit sind ca. 40% des Sattels kontrolliert. Und der Rest? Dazu kommen wir dann im letzten Teil.