26/11/2014
DER SCHNÄPPCHEN-JÄGER ZU SCHÖNINGEN - GIB ACHT, TRITT NICHT AUF MEINE TRÄUME
Von Reimar Oltmanns
Schöningen (rolt). - Wer kennt das nicht, diese nervige Zeitknappheit, Stress im Advent. Tage, die zur Besinnung, eigentlich für die Vorfreude reserviert waren, gedeihen zu Zeitläuften der Beklemmung, Verzagtheit, des Missmutes. Dabei wissen wir insgeheim nur zu gut, die vielen neuen Dinge machen uns arm - und das nicht nur im Portemonnaie, sondern auch in unserer Phantasie und in der Nähe zu unseren Freunden wie Freundinnen. Wir wissen auch von ungefähr, wie die Werbepsychologie mit ihren Produkten unser Unterbewusstsein zu besetzen versteht. Ohnmacht. - Nur sich einfach Zeit beim Kauf zu nehmen, für andere und überhaupt Zeit zu schenken - das haben wir verlernt. Ein veraltetes, eingemottetes Verhalten. Wirklich?
Ich bin vor einigen Monaten nach Jahrzehnten Wanderschaft durch viele Länder in meine Heimatstadt Schöningen zurückgekehrt, Schöningen unterscheidet sich natürlich nicht im Konsumrausch jedweder Marken-Profile fürs Image - etwa von Bologna oder Lyon. Warum auch? Nur eine winzig kleine Nuance fiel mir angenehm auf.
Mitten im Zentrum "leistet" sich dieses Städten einen ALT&NEU-Laden mit weit mehr als 20.000 Geschenk-Artikeln - vom Schreibtisch über die Spiegelwand, Kitsch und uralten Bildern. Bedenken? Die hatte ich vielleicht zu Anfang ein wenig. Nur die Neuwertigkeit der Waren nahmen mir den Zweifel. Und die Macher gönnten sich Zeit. Eine neue Verkaufskultur? Sie gingen als stille, teilnehmende Beobachter auf ihre Kunden und Kundinnen ein. Einfühlungsvermögen. Sie sind keine Selbstdarsteller wohlfeiler Worte, keine Buchhalter des Profits. Sie überlisten niemanden zum Kaufen, Kaufen, Kaufen. Sie verkörpern eine neue Geschäftskultur in diesem Land - weg von der lieblosen Wegwerfgesellschaft. Ob Winni Huber oder Wolfgang Dubke - diese stattlichen Herren dieser Jahre nahmen sich die Muße, bis ich meinen tadellosen Einbau-Schrank, meine Teppiche, Lampen und meine Einbau-Küche sortiert hatte und von ihnen angebracht worden war. Und das im übertragenen Sinne nach dem schweizerischen Schriftsteller Gottfried Keller "Kleider machen Leute". So betrachtet ist es nur folgerichtig, dass ALT&NEU in Braunschweig, Magdeburg, Helmstedt, Salzgitter weitere Läden eröffnete…