03/08/2026
Wenn gute Ziele an der Praxis scheitern, muss nachgebessert werden.
Gemeinsam mit Christoph Frauenpreiß MdB, Bundestagsabgeordneter für den Landkreis Cuxhaven, und Jörg Itjen, Inhaber einer Bäckerei & Konditorei in Cuxhaven sowie Obermeister der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser, haben wir uns über die Auswirkungen der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) auf das backende Handwerk ausgetauscht.
Eines wurde im Gespräch schnell deutlich: Niemand stellt die Ziele der PPWR in Frage.
Die Reduzierung von Verpackungsabfällen, mehr Recyclingfähigkeit und ein höherer Einsatz von Rezyklaten sind wichtige Bausteine für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Ebenso braucht es mit der kommenden EMPCO-Verordnung klare und einheitliche Regeln gegen Greenwashing.
Die entscheidende Frage ist jedoch:
Wie erreichen wir diese Ziele, ohne das Handwerk mit unnötiger Bürokratie zu belasten?
Gerade Bäckereien und Konditoreien arbeiten überwiegend mit individuell bedruckten Verpackungen. Bereits bei einem uNeudruck entstehen künftig zusätzliche Kosten, weil neue gesetzliche Kennzeichnungen berücksichtigt und Druckplatten angepasst werden müssen.
Jörg Itjen brachte die Sorgen vieler Handwerksbetriebe auf den Punkt:
„Das wird insbesondere für kleinere Betriebe nicht leistbar sein.“
Hinzu kommen umfangreiche Dokumentationspflichten rund um die Konformität der Verpackungen.
Aus Sicht der BÄKO Bremerhaven besteht hier ein grundlegendes Problem: Die PPWR verteilt Verantwortung über die gesamte Lieferkette, regelt den erforderlichen Informationsfluss jedoch nicht ausreichend praxisklar. Der Erzeuger trägt Verantwortung, verfügt aber häufig nicht über die technischen Informationen, die für den Nachweis benötigt werden.
Dabei könnte vieles deutlich einfacher sein:
Warum wird die Konformität einer Verpackung nicht einmalig dort nachgewiesen, wo sie hergestellt oder erstmals in die Europäische Union eingeführt wird? Nachgelagerte Wirtschaftsakteure könnten auf diese Konformität vertrauen, solange sie die Verpackung nicht verändern. Das würde Doppel- und Mehrfachdokumentationen vermeiden, ohne die Umweltziele der PPWR zu gefährden.
Nach Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LKSG)und EUDR erleben Unternehmen bereits zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit, dass gute politische Ziele in der praktischen Umsetzung erhebliche Herausforderungen verursachen. Wenn Regelungen in der betrieblichen Realität kaum umsetzbar sind, wächst das Unverständnis – und damit leider auch die Politikverdrossenheit.
Deshalb braucht es jetzt keine neuen Ziele, sondern pragmatische Nachbesserungen: klare Verantwortlichkeiten, standardisierte Informationsflüsse und Bürokratie dort, wo sie tatsächlich erforderlich ist – einmal in der Prozesskette statt in jedem einzelnen Handels- und Produktionsschritt.
Vielen Dank an Christoph Frauenpreiß für den offenen und konstruktiven Austausch sowie die Bereitschaft, die praktischen Erfahrungen des backenden Handwerks mit nach Berlin zu nehmen.