09/10/2025
Unser 3. Herbstpärchen: Zwei jetzt (bzw. jetzt neu) erschienene Texte aus den 90ern des letzten Jahrhunderts, in deren Zentrum die Krankheit AIDS steht:
ZWEI MÄNNER IN EINEM RAUM von WALTER VOGT
Hardcover, 95 Seiten, 20 €
Unveröffentlichte, 1986 entstandene autobiografische Erzählung des zu Unrecht vergessenen, brillanten Schweizer Erzählers Walter Vogt.
Zwei Männer in einem Bett, der eine schläft, der andere spricht. Erzählt wird eine Liebe in Zeiten von Aids: Die Geschichte eines »Verschonten«, der sich in einen wesentlich jüngeren Infizierten verliebt, dessen Tod greifbar nahe scheint. So macht sich der Ältere in einem Monolog Gedanken über seine Beziehung, über das Trennende der beiden Männer, über Sexualität, gekaufte Sexualität, aber auch über Freundschaft, Identität und das Verorten zwischen den Geschlechtern. Ein schonungsloser Text, von dem Vogt selbst dachte, dass er nicht publizierbar sei.
(Anmerkung Erlkoenig: Was den Verlag bewogen hat, dieser Erzählung ein hochmütig-denunziatorisches "Nachbeben" von Kim de l´Horizon beizufügen, erschließt sich mir absolut nicht!)
GETRENNTE RÄUME von PIER VITTORIO TONDELLI
Hardcover, 235 Seiten, 25 €
Thomas, ein junger Musiker aus München, liegt Ende der 1980er-Jahre im Sterben. Sein Freund, der wenige Jahre ältere, renommierte italienische Autor Leo erträgt den langsamen Tod nicht. Stattdessen flüchtet er sich auf Reisen durch Europa und die USA. Zwischen Paris, Duisburg, New York, Berlin, Rom und Mailand überlappen Gegenwart und Vergangenheit, das Leben mit Thomas und die Unmöglichkeit des Weiterlebens ohne ihn. Leos Erinnerungen an ihre Liebe werden immer lebendiger, obwohl er sich nichts als Vergessen wünscht. Um die Leidenschaft aufrechtzuerhalten, hatte Leo sich und Thomas das Zusammenleben verwehrt. Ihre Beziehung ein ewiges Ringen um Nähe und Distanz, in getrennten Räumen, verschiedenen Städten. Wie kann man die Erinnerung an ein geteiltes Leben aufrechterhalten, wie weiterleben?
"Getrennte Räume" erschien bereits 1993 auf Deutsch, bei Rowohlt, wurde aber (was für "schwule Literatur" die "Default"-Behandlung war) praktisch nicht wahrgenommen. Jetzt ist´s plötzlich "Ein unvergesslicher und singulärer Roman der europäischen Literatur". Ist natürlich richtig:, wir haben´s schon vor 32 Jahren gesagt. Manchnma dauert es ein bißchen, bis die Groschen fallen...