20/03/2026
Wir freuen uns sehr: Aegis ist von der unabhängigen Jury als „Beste Buchhandlung“ 2025 mit dem Hauptpreis des Deutschen Buchhandlungspreises ausgezeichnet worden.
Das ist für uns eine außerordentlich große Ehre. Der Deutsche Buchhandlungspreis ist die wichtigste Auszeichnung, die Buchhandlungen in Deutschland erhalten können. Er würdigt nicht nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern den kulturellen Auftrag von Buchhandlungen: Literaturvermittlung, öffentliche Debatte, Haltung, Gespräch und kulturelles Leben vor Ort. In der Hauptkategorie „Beste Buchhandlung“ werden bundesweit nur drei Buchhandlungen ausgezeichnet. Dass Aegis dazugehört, bedeutet uns sehr viel.
Vor allem aber ist dieser Preis für uns ein Anlass, Danke zu sagen.
Danke an unser Team.
Für die tägliche Arbeit, die Literaturkenntnis, die Aufmerksamkeit, die Freundlichkeit, die Geduld, die Wärme, die Ideen und die Verlässlichkeit, mit der Aegis Tag für Tag getragen wird. Vieles von dem, was eine Buchhandlung ausmacht, ist nicht sofort sichtbar. Es steckt in Gesprächen, in Empfehlungen, in Sorgfalt, im Mitdenken, in der Art, wie ein Ort entsteht und wie Menschen sich an einem Ort willkommen fühlen. Ohne dieses Team gäbe es Aegis in dieser Form nicht. Und ohne dieses Team gäbe es ganz sicher auch diesen Preis nicht.
Und danke an euch — an unsere Kundinnen und Kunden, an unsere Leserinnen und Leser, an alle, die zu uns kommen, Bücher bei uns kaufen, Veranstaltungen besuchen, uns weiterempfehlen, mit uns sprechen, mitdenken, auch widersprechen und uns die Treue halten. Eine unabhängige Buchhandlung lebt nie nur von ihrem Sortiment. Sie lebt davon, dass Menschen sie zu ihrem Ort machen. Ihr seid ein wesentlicher Teil dieser Auszeichnung.
Gerade weil uns dieser Preis so viel bedeutet, möchten wir auch den Kontext des diesjährigen Verfahrens klar benennen.
Für uns ist dabei ein Punkt zentral: In der Hauptpreiskategorie wurde keine Buchhandlung nachnominiert. Unsere Auszeichnung ist nicht an die Stelle einer der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen getreten. Sie beruht auf der Entscheidung der unabhängigen Jury.
Öffentlich dokumentiert ist zugleich, dass das BKM in drei Fällen dieser Juryentscheidung nicht gefolgt ist. Die Jury selbst hat erklärt, dass der Ausschluss dieser drei Buchhandlungen außerhalb ihres Einflussbereichs lag. Es geht also nicht um eine normale Juryentscheidung, über die man unterschiedlicher Meinung sein kann. Es geht um einen nachträglichen politischen Eingriff in ein bereits abgeschlossenes, unabhängiges Juryverfahren.
Deshalb steht unsere Freude über diese Auszeichnung auch in keinem Widerspruch zu unserer vollen Solidarität mit den drei ausgeschlossenen Buchhandlungen. Im Gegenteil.
Denn dieser Eingriff hat nicht nur den ausgeschlossenen Buchhandlungen schwer geschadet. Er hat auch die Entscheidung der unabhängigen Jury beschädigt, die Ehrung der übrigen Preisträger:innen überschattet und einem Moment der Anerkennung, der ein freudiger und unbeschwerter hätte sein sollen, seine Selbstverständlichkeit genommen.
Nicht die ausgezeichneten Buchhandlungen haben diese Situation verursacht. Nicht die Jury hat sie verursacht. Verursacht wurde sie durch den politischen Eingriff in ein unabhängiges Verfahren.
Viele ausgezeichnete Buchhandlungen haben ihre Solidarität öffentlich erklärt. Aus diesem Kreis kam auch die Initiative, Geld zusammenzulegen, um den ausgeschlossenen Buchhandlungen das Preisgeld zu ersetzen. Auch wir beteiligen uns an den Prozesskosten, weil wir finden, dass man einen solchen Vorgang nicht einfach hinnehmen darf.
Denn beschädigt wurde nicht die Idee dieses Preises. Beschädigt wurde nicht die kulturelle Arbeit unabhängiger Buchhandlungen. Beschädigt wurde das Vertrauen in den politischen Umgang mit einem unabhängigen Kulturpreis.
Die Kritik in der Branche richtet sich genau darauf: auf die Intransparenz des Verfahrens, auf die fehlende Möglichkeit zur Stellungnahme und auf den politischen Eingriff selbst — ohne dass die betroffenen Buchhandlungen wussten, was ihnen konkret vorgeworfen wird, und ohne dass gegen Golden Shop Bremen, zur schwankenden Weltkugel Berlin und Rote Straße Göttingen öffentlich etwas vorliegt.
Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang das sogenannte Haber-Verfahren. Gemeint ist ein behördliches Prüfverfahren, bei dem auf Grundlage von Hinweisen Abfragen bei Sicherheitsbehörden erfolgen, ohne dass für die Betroffenen transparent wird, welche konkreten Erkenntnisse vorliegen, worauf sie beruhen und wie sie sich dagegen wirksam zur Wehr setzen können. Genau darin liegt der Vertrauensschaden: Ein Verfahren, das für die Betroffenen weitgehend undurchsichtig bleibt, darf nicht darüber entscheiden, wer im Kulturbereich ausgezeichnet wird und wer ausgeschlossen wird.
Wir fordern vom BKM und von Wolfram Weimer, die drei Buchhandlungen umgehend mit den ihnen von der Jury zugedachten Preisen auszuzeichnen — oder nachvollziehbare, überprüfbare Belege vorzulegen, die einen solchen Ausschluss zwingend rechtfertigen. Es kann nicht Aufgabe von Geheimdiensten sein, darüber zu befinden, was Kunst ist und was nicht. Kunst- und Kulturfreiheit leben davon, dass auch unbequeme, zugespitzte und weitgehende Positionen sichtbar sein dürfen — sofern sie auf dem Boden des Grundgesetzes stehen und nicht verfassungswidrig sind. Gerade im Fall der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen ist öffentlich bis heute nicht nachvollziehbar gemacht worden, worauf der Ausschluss konkret gestützt wurde. Statt transparenter, überprüfbarer Gründe stehen bislang pauschale Verweise auf „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ im Raum. Das reicht für einen so schwerwiegenden Eingriff in ein unabhängiges Juryverfahren nicht aus.
Gerade weil dieser Preis so wichtig ist, dürfen wir ihn diesem politischen Umgang nicht überlassen. Viele Menschen aus der Buchbranche haben über Jahre dafür gekämpft, dass es diesen Preis überhaupt gibt — und dass unabhängige Buchhandlungen in ihrer kulturellen Bedeutung sichtbar werden. Dieser Preis ist kein dekorativer Orden. Er ist ein kulturpolitisch erkämpftes Zeichen dafür, dass Buchhandlungen Orte der Literatur, der Meinungsbildung, des Gesprächs und der demokratischen Öffentlichkeit sind.
Eben deshalb müssen wir diesen Preis jetzt verteidigen: nicht gegen die Jury, nicht gegen die ausgezeichneten oder ausgeschlossenen Buchhandlungen, sondern gegen den Schaden, den Wolfram Weimer und das BKM diesem Verfahren zugefügt haben. Wir dürfen diesen Preis nicht kaputt machen lassen. Wir dürfen nicht zulassen, dass der politische Eingriff größer wird als das, wofür dieser Preis eigentlich steht: für Literatur, für unabhängige Buchhandlungen, für kulturelle Freiheit und für demokratische Öffentlichkeit.
Dass die Preisverleihung später sogar abgesagt wurde mit der Begründung, die Debatte über die Nicht-Berücksichtigung der drei Juryvorschläge überlagere inzwischen die Ehrung der Preisträger:innen, zeigt umso deutlicher, wo der eigentliche Schaden entstanden ist.
Den ausgeschlossenen Buchhandlungen wurde Unrecht getan.
Aber auch den übrigen Preisträger:innen und der Jury wurde ein Moment genommen, der der Literatur, der Arbeit und der Anerkennung hätte gehören sollen.
Wir gratulieren allen ausgezeichneten Buchhandlungen von Herzen — und ganz besonders den drei Buchhandlungen, die von der unabhängigen Jury für eine Auszeichnung vorgesehen waren und deren Ehrung durch den politischen Eingriff verhindert wurde.
Darum nehmen wir diesen Preis mit großer Freude, mit Dankbarkeit und mit voller Überzeugung an.
Nicht, weil damit alles in Ordnung wäre.
Sondern weil dieser Preis wichtig ist.
Weil er von einer unabhängigen Jury vergeben wurde.
Weil er sichtbar macht, was unabhängige Buchhandlungen leisten.
Und weil genau das jetzt nicht relativiert, sondern verteidigt werden muss.
Dass Aegis von der unabhängigen Jury als „Beste Buchhandlung“ ausgezeichnet wurde, ist für uns etwas Wunderschönes. Es ist eine Ehre. Es ist eine Bestätigung. Und es ist eine Ermutigung, weiterzumachen: mit Literatur, mit Gesprächen, mit Offenheit, mit Neugier, mit Haltung und mit dem Vertrauen darauf, dass Buchhandlungen Orte sind, die eine Stadt und eine demokratische Gesellschaft brauchen.
Herr Weimer hat in diesem Jahr viel Porzellan zerschlagen. Diesen Preis lassen wir uns von ihm nicht zerschlagen.
Wir freuen uns von Herzen über diese Auszeichnung — und wir stehen in voller Solidarität an der Seite der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen.
Danke an unser Team.
Danke an euch.
Danke an alle, die Aegis möglich machen.