03/02/2012
Wiesloch. (oé) Erste Überlegungen zur Ansiedlung eines Einkaufsmarktes auf der ehemaligen Industriebrache am alten Stadtbahnhof reichen bis in die 1990er Jahre zurück, die eigentliche Projektentwicklung für das jetzt fertiggestellte Fachmarktzentrum nahm dann über fünf Jahre in Anspruch. Ein "langer Atem" und "Beharrlichkeit" waren nötig, um das Projekt schließlich zu realisieren, wie der Investor Jürgen Machmeier (Inwo-Bau Sandhausen) am Mittwochabend zur feierlichen Eröffnung der neuen "Stadt-Galerie" betonte.
Der Unternehmer zeigte sich froh und auch stolz darauf, dass seine Mitarbeiter ebenso wie alle anderen Beteiligten die Ausdauer, aber auch den Mut und die Kraft aufgebracht hätten, die große Herausforderung eines solchen Projektes zu meistern. Am Ende stehe ein "tolles Ergebnis", so Machmeier. Das fertige Bauwerk entspreche exakt den visualisierten Entwürfen, wie der Investor mit einem Lob für seine Architektin Carmen Küpferling ausführte, und biete den künftigen Betreibern den perfekten Rahmen zur Präsentation ihrer Waren. Machmeier sah damit die Basis gelegt für eine gute Zukunft, auch für Wiesloch, das einen bedeutenden Einkaufsstandort hinzugewinne.
Das imposante Bauwerk mit seinen über 66 000 Kubikmetern umbautem Raum, einer Gesamtfläche von fast 8000 Quadratmetern und einem Parkhaus für 193 Autos bietet Platz für einen Rewe-Lebensmittelmarkt, einen Elektromarkt (Hem Expert), für Bekleidung und Schuhe (Takko und Deichmann) sowie für einen dm-Drogeriemarkt. Dazu kommen die Herzog Apotheke, ein SB-Center der Sparkasse und die Bäckerei Rutz. Rund 70 Menschen finden hier einen neuen Arbeitsplatz, wie Wieslochs OB Franz Schaidhammer hervorhob.
Als Generalmieter der "Stadt-Galerie" zeigte sich Andreas Schmidt, der Regionsleiter der in Wiesloch beheimateten Rewe-Zweigniederlassung Südwest, zufrieden mit dem gefundenen Branchenmix und verspricht sich von dem neuen Einkaufszentrum eine nachhaltige Belebung der Innenstadt. Kritische Worte fand er allerdings für die vom Gemeinderat beschlossene neue Verkehrsregelung rund um das Fachmarktzentrum (die Straße "Zur Tuchbleiche" und die Hauptstraße zwischen Sparkasse und Volksbank sind jetzt "unechte" Einbahnstraßen; siehe nebenstehenden Artikel). Diese Sperrungen seien für das neue Einkaufszentrum "sehr schwierig", die Geschäfte brauchten die Verkehrsanbindung, erklärte Schmidt und verwies auf eine Online-Bürgerbefragung, in der 70 Prozent der Teilnehmer die neue Verkehrsregelung ebenfalls abgelehnt hätten. "Bei uns stimmt der Kunde jeden Tag mit dem Geldbeutel ab", so Schmidt weiter. Er wünsche jedem "diese Erfahrung unmittelbarer Bürgernähe".
Wie OB Schaidhammer indes betonte, ist die Neuregelung des Verkehrs rund um das Fachmarktzentrum "nicht grundlos" erfolgt. "Dahinter stecken Ziele." Der Gemeinderat habe die Hauptstraße zur Einbahnstraße gemacht, um den Fußgängern mehr Raum zu geben und damit eine "gefühlte Anbindung" an die Fußgängerzone zu schaffen, erklärte das Stadtoberhaupt. Nach einiger Zeit wolle man aber überprüfen, ob sich die Neuregelung bewährt habe.
Lob zollte das Stadtoberhaupt gerade auch dem Gemeinderat dafür, dass er das Projekt "Fachmarktzentrum" fast einstimmig und mit viel Mut gegen "nicht wenige Widerstände" durchgetragen habe. Das neue Einkaufszentrum sollte kein "Shopping-Center" werden, sondern Lücken im reichhaltigen innerstädtischen Angebot schließen. Vor allem ältere Mitbürger hätten einen Lebensmittelmarkt in der Innenstadt vermisst, auch ein Elektrofachmarkt habe bislang gefehlt. Diese Lücken seien nun geschlossen, die bislang schon hohe Einkaufsqualität in der Stadt werde noch einmal wesentlich verbessert, so der OB.
Auch architektonisch und städtebaulich sah Schaidhammer die Stadt durch die Umwandlung einer ehemaligen Industriebrache ("Das war hier ein Stück sibirische Wüste") aufgewertet. Das gilt sowohl für das Fachmarktzentrum selber als auch für die in unmittelbarer Nachbarschaft entstandenen 58 Mietwohnungen der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft und schließlich für die neue Verkehrserschließung mit der direkten Verknüpfung von Bahnhofs- und Güterstraße - ein Gesamtpaket mit einem Investitionsvolumen von über 20 Millionen Euro, wie Jürgen Machmeier gegenüber der RNZ bestätigte.
Dessen wie des Oberbürgermeisters Dank galt allen Beteiligten, namentlich auch der Rewe als Generalmieterin, die damit zu ihrem Standort Wiesloch und den rund 1000 Arbeitsplätzen hier stehe, so der OB. Unternehmenssprecherin Susanne Amann, die durch den Abend führte, bestätigte dies. "Wir von der Rewe Südwest fühlen uns in Wiesloch heimisch", sagte sie. Vom Hauptsitz Wiesloch mit seinem umfangreichem L***r und Frischezentrum aus versorgt die Rewe Südwest Hunderte von Märkten mit insgesamt 14 000 Mitarbeitern in Süddeutschland. Laut Regionsleiter Andreas Schmidt, der die genossenschaftliche Organisation seines Unternehmens hervorhob ("Wir kennen keinen Shareholder-Value"), erzielt allein Rewe Südwest einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Beim Gesamtkonzern sind es über 53 Milliarden.
Bevor sich die rund 700 geladenen Gäste der Eröffnungsfeier selbst ein Bild von den Geschäften machen konnten, stellten deren Repräsentanten ihre Betriebe kurz vor: der selbstständige Rewe-Kaufmann Hermann Hauber sprach ebenso Grußworte wie Hem-Expert-Inhaber und -Geschäftsführer Gunter Schaaf, die dm-Gebietsverantwortliche Petra Schindler-Schwind sowie Sparkassen-Regionaldirektor Michael Thomeier und die Apothekerin Monika Herzog, die als Spende für die "Stadt-Galerie" einen Defibrillator überreichte.